Intelligent wachsen

Ein Rückblick zum 27. Deutschen Logistikkongress

Unter dem Motto "Intelligent wachsen" fand vom 20. bis 22. Oktober in Berlin der 27. Deutsche Logistik-Kongress statt. Das Programm des Kongresses umfasste 12  Hauptvorträge und 20 Fachbeiträge zu aktuellen Fragen der Logistik. Mehr als 200 Aussteller boten den 3400 Teilnehmern die Möglichkeit zu einem persönlichen Austausch.

In seiner Eröffnungsrede resümierte der Vorsitzende des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik (BVL), Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, über das vergangene Krisenjahr  und bestätigte die positiven Prognosen für 2011. Auch im nächsten Jahr erwartet die BVL ein Umsatzwachstum von etwa vier Prozent. „2011 läge die Logistik damit wieder im Bereich des Rekordniveaus des Jahres 2008“, so Klinkner.

Auch Dr. Peter Ramsauer, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, kommentiert die aktuelle Entwicklung positiv.

Deutschland sei nach der Finanz- und Wirtschaftskrise bislang der steilste Aufstieg gelungen, Skepsis sei nicht angebracht. „Wenn wir nachhaltig arbeiten, bleibt uns der Erfolg auch erhalten“, erklärte Dr. Ramsauer.

Als Motto des Kongresses war das intelligente Wachstum eines der zentralen Themen. Als wichtige Faktoren wurden hier u.a. die Schaffung langfristiger Werte, die Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom linearen Ressourcenverbrauch und die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte genannt. Die Referenten waren sich einig, dass Deutschland mehr Investitionen in die Bildung und ein gutes Konzept benötigt, um den Standort Deutschland attraktiver zu machen. Alex Schneider von Deutsche Post DHL spricht diesbezüglich sogar von einem „war for talents“.

Schließlich sind aber nicht nur neue Mitarbeiter für das Unternehmen von Bedeutung, sondern die Weiterentwicklung der gesamten Belegschaft. Prof. Dr. Christopher Jahns, Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, bemerkt dazu, dass die Ausgaben für Weiterbildung pro Mitarbeiter in allen anderen Branchen deutlich höher ausfallen.

Weitere Kernthemen waren die Agilität der Supply Chains, die Nachhaltigkeit in der Logistik sowie Investitionen in Kommunikation und Imagebildung.

Supply Chain Agility beschreibt die notwendige Flexibilität des Supply Chain Managements aufgrund sich verändernder Rahmenbedingungen. Die Ursachen für die veränderten Bedingungen finden sich einerseits auf Kundenseite: Dr. Reinelt, Leiter Zentralbereich Einkauf der Miele & Cie. KG, sieht hier vor allem die Product Customization und die Preistransparenz durch das Internet als relevante Faktoren. Andererseits erzwingt auch der Wettbewerb stetige Innovationen, sodass die Supply Chains in der Konsequenz flexibler werden müssen. Supply Chain Agility wird damit zu einem relevanten Wettbewerbsfaktor.

Zum Thema Nachhaltigkeit in der Logistik muss sich die Branche eingestehen, dass viele Unternehmen ihre ambitionierten Ziele zum Klimaschutz nicht erreicht haben. Allerdings wurden bislang weder standardisierte Messinstrumente noch globale Emissionsvereinbarungen etabliert. An schnellen, globalen Standards sei dabei zu zweifeln. Andererseits fürchten viele Unternehmen zusätzliche Ausgaben für den Umweltschutz. Doch effiziente Logistik trägt auch zum Umweltschutz bei. So kann eine CO2-Reduktion durchaus mit einer Kostenreduktion einhergehen.


„Mit grünen Ideen kann man auch schwarze Zahlen schreiben“, meint Thoralf Schuster Gutjahr, Managing Director der ECE Industries and Logistics GmbH & Co KG. Gerade im Blick auf die Green Logistics haben viele Unternehmen weiteren Informationsbedarf. Ziel müsse es sein, die positiven Effekte nachhaltigen Wirtschaftens zu erkennen. „Die Unternehmen wissen teilweise gar nicht, was sie einsparen können, weil sie die modernen Technologien nicht kennen“, so Prof. Dr.-Ing. Hartmut Zadek vom Institut für Logistik und Materialflusstechnik (ILM).

Als weiteres Thema wurde die Bedeutung einer offenen und aktiven Unternehmens-kommunikation herausgestellt. „Wir leben in einer Zeit, in der eine offene, transparente und vor allem glaubwürdige Kommunikation wichtig ist“, betonte Hans-Otto Schrader, Vorstandsvorsitzender der Otto Group. Im Mittelpunkt der Kommunikation steht dabei der Mensch, d.h. die eigenen Mitarbeiter, die Partner und Kunden. Wichtig sei hier, die eigenen Mitarbeiter für Ihr Unternehmen und Ihre Arbeit zu begeistern sowie die umfassende Information der Kunden.

Einigkeit herrschte auch im Hinblick darauf, dass die Logistikunternehmen zukünftig mehr in die eigene Imagebildung investieren müssen, da Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit in den meisten Fällen noch sehr mangelhaft sind.