Im Dienste der Logistik

Agenten, Beschleuniger und ein Dynamo

In einer globalen Wirtschaft werden logistische Prozesse immer komplexer. Das verlangt nach neuen Steuerungsinstrumenten und einem vernetzten Denken. Nie war deshalb der Austausch zwischen Forschern und Logistikern so wichtig wie heute. Den gibt es nicht im Selbstlauf, manchmal aber mit Selbststeuerung.

Seit 1992 verleiht die Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) einen Preis für die Wissenschaft. Der "Wissenschaftspreis Logistik 2010" ging unlängst beim 27. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin an Dr.-Ing. Arne Schuldt von der Universität Bremen. Mit seiner von Prof. Dr. Otthein Herzog betreuten Dissertation unter dem Titel "Multiagent Coordination Enabling Autonomous Logistics" überzeugte er die Juroren.

Die Arbeit baut auf einer Fallstudie aus der Beschaffungslogistik von Tchibo auf.

Gemeinsam mit dem Einzelhandelsunternehmen entwickelte Schuldt mit Methoden der Künstlichen Intelligenz eine Lösung, die das Alltagsgeschäft in der Disposition automatisiert. Das Grundprinzip: Container kommunizieren über Softwareagenten miteinander. Der Agent "sagt" dem Container, wie und wann er zu seinem nächsten Zielort kommt. Die Container steuern sich mit der entsprechenden Software also selber.

Als "Beschleuniger und Integrator" der Logistik misst Frau Professor Iris Hausladen der IT eine immer größere Bedeutung bei. Hausladen ist Frontfrau des Leipziger CITLOG-Teams und Inhaberin des Heinz Nixdorf-Lehrstuhls für IT-gestützte Logistik an der Leipzig Graduate School of Management (HHL). CITLOG steht für "Zentrum für IT-gestützte Logistik".

Quelle: Q-Cells SE

Bei CITLOG setzt man auf anwendungsbezogene Projektarbeit und Forschung rund um die IT-gestützte Logistik. Zu den Praxisprojekten der Leipziger Forscher zählen ein Logistikkonzept für Q-Cells SE, einem der weltweit führenden Anbieter von Photovoltaik-Lösungen, sowie ein Konzept zur Optimierung des Einkaufsprozesses der FV Service KG, einem Dienstleister der Gesellschaften der Freudenberg Vliesstoff-Gruppe.


Im Zeichen des hessischen Löwen soll sich die Logistik zusammen mit der IT dynamisch den Herausforderungen der Globalisierung stellen. Gefördert von "LOEWE" (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz), widmen sich Forscher der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden, der Technischen Universität Darmstadt, der Frankfurter Goethe-Universität sowie der Fachhochschule Frankfurt gemeinsam den Fragen der dynamischen und nahtlosen Integration von Produktion, Logistik und Verkehr. Im Forschungsprojekt "Dynamo PLV" geht es darum, gleich doppelt über den Tellerrand zu schauen. Zum einen betrachten die hessischen Wissenschaftler die Abläufe von Produktion und Logistik integriert, zum anderen forschen sie an der Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaftslehre und Technologie. "Wir stärken hiermit insbesondere unsere bereits anerkannte Forschung im Bereich globaler Wertschöpfungsnetzwerke", sagt EBS-Prorektor Prof. Dr. Richard Pibernik zur Bedeutung von Dynamo PLV.

Autorin: Katharina Kleinschmidt