Der Druck nimmt zu

Die Logistikbranche entdeckt ihre Verantwortung für den Klimaschutz. Der Anstoß dafür kommt von den Kunden.

In Zeiten starken Wettbewerbsdrucks und schwacher Margen suchen Unternehmen nach Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz abzuheben und so dem Preiskampf zu entkommen.

Für die Logistikbranche wird dabei ein Differenzierungsmerkmal immer bedeutsamer: das Angebot klimafreundlicher Produkte.

Das Beratungsunternehmen Steria Mummert Consulting und das F.A.Z.-Institut haben in ihrer Studie "Branchenkompass 2010 Transport" untersucht, welches die Ursachen dieser Entwicklung sind und mit welchen Maßnahmen Logistikunternehmen auf den Klimatrend reagieren. So stellt die Studie bei den Firmen eine zunehmende Bereitschaft fest, für umweltfreundliche Transportlösungen zu zahlen. Immerhin fast ein Drittel der befragten hundert Entscheider aus den größten deutschen Konzernen der Konsumgüter- und Einzelhandelsbranche gaben an, einen "Ökozuschlag" zu akzeptieren.

Umweltfreundliches Wirtschaften bekommt bei den Unternehmen einen immer höheren Stellenwert: Als Unternehmensziel rangiert es derzeit nach Kosteneffizienz und Servicequalität an dritter Stelle. Jedes zweite befragte Unternehmen lässt sich bereits nach Umweltstandards zertifizieren. "Die Wirtschaft kann aber ihre Umweltziele nur dann erreichen, wenn sie ihre Lieferkette optimiert", erklärt Michael Kunkel, Senior Manager bei Steria Mummert Consulting. "Denn Transport und Verkehr sind weltweit für rund ein Viertel der CO2-Emissionen verantwortlich, drei Viertel davon wiederum entstehen im Straßenverkehr."

Deshalb erhöhen die Kunden den Druck auf die Logistiker. Umweltfreundlichkeit wird zu einem immer wichtigeren Kriterium bei der Auswahl eines Dienstleisters: Sie rangiert nach den klassischen Kriterien Qualität, Flexibilität, Preis und Service an fünfter Stelle. In den kommenden Jahren dürfte der Stellenwert des Umweltschutzes als Auswahlfaktor weiter steigen. Damit gehen Auflagen einher: So werden Transportdienstleister in Zukunft häufiger als bisher ein umfassendes Emissionsreporting anbieten müssen.

Effizientere Technik und Abläufe

Nach und nach reagieren die Transportdienstleister. Große Anbieter der Branche sind Vorreiter in grüner Logistik und haben bereits umweltfreundliche Angebote auf den Markt gebracht. Kleine und mittelständische Transporteure bemühen sich verstärkt um effizientere Abläufen, etwa indem sie Ladungen und Routen besser planen und Touren zusammenfassen.

Weiteres Optimierungspotenzial bieten die Fuhrparks: Alte, ineffiziente Fahrzeuge wurden stillgelegt, wozu auch die Wirtschaftskrise beigetragen hat. Zudem senkt man den Spritverbrauch, indem man verstärkt Leichtlaufreifen einsetzt. Doch nicht nur an der Technik wird gearbeitet: Auch die Fahrer sollen zu mehr Energieeffizienz beitragen; dafür werden sie in Trainings in sparsamer Fahrweise geschult.

Kunkel weist darauf hin, dass all diese Maßnahmen einen wichtigen Faktor unberücksichtigt lassen: Die Tatsache, dass viele große Logistiker einen Großteil ihrer Transportaufträge gar nicht selber abwickeln. "Große Transporteure arbeiten zum Teil mit mehreren Hundert Subunternehmern", so der Manager. "Will man diese anhand ihrer Klimafreundlichkeit auswählen, müssen sich erst transparente und einheitliche CO2-Bilanzen branchenweit durchsetzen."