Engpass Infrastruktur

Mangelhafte Transportinfrastruktur könnte in den nächsten Jahren das Wirtschaftswachstum bremsen. Für die Finanzierung zukünftiger Projekte müssen alternative Wege gesucht werden.

Weltweit wird zu wenig für die Transportinfrastruktur getan. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des Supply Chain Management Institute (SMI) der European Business School in Wiesbaden. "Die weltweite Logistik-Infrastruktur muss in den kommenden 20 Jahren massiv ausgebaut werden, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden", erklärt Klaus-Dieter Ruske, Leiter des Geschäftsbereichs Transport und Logistik bei PwC.



Um den steigenden Bedarf an Verkehrswegen zu decken, sind bis 2030 rund 41 Billionen US-Dollar nötig; dafür müssen die bisherigen Investitionen von etwa einer Billion pro Jahr mindestens verdoppelt werden, so die Erwartung der 104 Branchenexperten, die im Rahmen der Delphi-Studie befragt wurden. Angesichts der Sparmaßnahmen infolge der Wirtschaftskrise drohe vielen Verkehrssystemen der Kollaps.

In Deutschland konstatieren die Fachleute eine veraltete und überlastete Infrastruktur. Bei allen Verkehrsträgern bestehe ein massiver Investitionsstau.  "Vor allem die Erhaltungsinvestitionen werden massiv unterschätzt", so Ruske. "Ohne die dringend notwendigen Investitionen in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist das Wirtschaftswachstum in Deutschland mittelfristig gefährdet."

Die Finanzierungsprobleme führen dazu, dass alternative Finanzierungswege immer interessanter werden, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung von PwC und SMI. Dazu gehören Mautzonen in den Innenstädten, wie sie etwa in London, Stockholm oder Singapur bereits realisiert wurden, sowie nationale Syteme wie die deutsche LKW-Maut. In Zukunft dürften solche Systeme weit intensiver genutzt werden als heute. Dabei werden alternative Finanzierungsmodelle immer wichtiger.


Vor allem Public Private Partnerships (PPP) sind im Kommen; diese sind zum Beispiel so ausgestaltet, dass private Investoren einen Teil der Kosten eines öffentlichen Infrastrukturprojekts übernehmen und dafür an den Einnahmen beteiligt werden. Bei dem Nahverkehrssystem "Bay Area Rapid Transit" in San Francisco wurde eine weitere interessante Variante realisiert: Hier werden die Kosten zur Hälfte aus Fahrtentgelten finanziert, die andere Hälfte kommt aus Abgaben der Einzelhändler, die von dem Projekt profitieren. "Es geht kein Weg daran vorbei, mehr privates Kapital für die Finanzierung öffentlicher Infrastruktur einzusetzen und die Privaten angemessen an Chancen und Risiken der Investitionen zu beteiligen", resümiert Hansjörg Arnold, PPP-Experte bei PwC.

Auch die Anforderungen an den Umweltschutz stellen eine wachsende Herausforderung für die Logistik dar. So werden Großprojekte immer schwerer durchzusetzen sein, wenn ökologische Anforderungen nicht hinreichend berücksichtigt werden. Andererseits wird erwartet, dass Maßnahmen und Technologien, die Logistik CO2-effizienter machen, Hochkonjunktur haben werden.

Schließlich wird der Emissionshandel nach Meinung der Befragten für steigende Logistikkosten sorgen. So dürften nach dem Flugverkehr in den kommenden Jahren auch die Schifffahrt und weitere Bereiche der Logistik in das System einbezogen werden. Auch Betreiber von Infrastrukturlogistik werden wahrscheinlich in den kommenden Jahren am Emissionshandel beteiligt. Ruske: "In Zukunft werden die Logistikunternehmen und die Betreiber der Infrastruktur für die durch sie verursachten Emissionen zahlen müssen."