Lebensadern der Logistik: Die Ozeane

Straße oder Schiene, das scheint in Deutschland die verkehrspolitische Gretchenfrage zu sein. Doch drei Viertel des Welthandels spielt sich auf den Meeren ab. Auf den Ozeanen verlaufen die logistischen Lebensadern des Exportweltmeisters Deutschland.

Reeder und Hafenbetreiber liefern die zuverlässigsten Prognosen über die mittelfristige Wirtschaftsentwicklung. Denn ihr Ordereingang bei Transport und Umschlag ist ein unbestechliches Indiz dafür, wie nachgefragt deutsche Waren in Übersee auf absehbare Zeit sein werden. Auch viele Importgüter erreichen Deutschland auf dem Seeweg. Unsere Seehäfen sind auch künftig unser Tor zur Welt.

Gerade für den Warenaustausch zwischen den Zentren der Weltwirtschaft und für die Rohstoffversorgung der Industrieländer ist der Seetransport existenziell. Deshalb sprechen Experten auch von der maritimen Abhängigkeit Deutschlands. Diese Abhängigkeit aktuell zu beschreiben, ist Anliegen der Jahresberichte, die die Deutsche Marine 2010 bereits in 23. Auflage herausgab.

Darin fließen auch die Erfahrungen unserer Seestreitkräfte bei der Sicherung der freien Seefahrt vor der Küste Somalias, am Horn von Afrika und im Golf von Aden ein.

Der Verkehrsträger Wasser hat Zukunft. Auf der Kostenseite ist er allen Verkehrsträgern überlegen. Das liegt natürlich auch an dem Fassungsvermögen von Containerschiffen und Supertankern.

Auch aus Umweltperspektive besteht der Seetransport jeden Vergleich. Die großen Reedereien arbeiten engagiert daran, die Ökobilanz weiter zu verbessern. Bei den Branchenführern ist der datenbasierte Kohlendioxid-Fußabdruck über die gesamte Transportkette Standard. Um über Treibstoffersparnis eine Emissionsreduzierung zu erreichen, gelten eigentlich dieselben Regeln wie an Land: vorausschauend und langsam fahren. Weather Routing ermöglicht das rechtzeitige und großräumige Umfahren meteorologisch schwerer See, mit Slow Steaming legt man sich selbst Geschwindigkeitsbegrenzungen auf. No Garbarge Over Board lautet eine weitere Maxime: Müll geht nicht über Bord, er wird vorschriftsmäßig an Land entsorgt. Reduzierte Grenzwerte zum Schwefelgehalt des Schiffsdiesels verbessern die Ökobilanz zusätzlich.