Von der Quelle bis zur Straße

Ein neuer Leitfaden hilft Transportunternehmen, ihre Treibhausgas-Emissionen umfassend und realitätsnah zu berechnen.

Immer häufiger sehen sich Transportdienstleister mit dem Wunsch ihrer Kunden konfrontiert, die Treibhausgas-Emissionen ihrer Transporte auszuweisen. Für viele Unternehmen ist das eine Herausforderung. Denn die Berechnung ist aufwändig, manche existierenden Verfahren und Rechentools gelten als ungenau oder methodisch unsauber, und schließlich führt die Anwendung unterschiedlicher Methoden dazu, dass Angaben verschiedener Unternehmen nicht miteinander vergleichbar sind.

Wenn aber die Treibhausgas-Emissionen von Transporten zu einem immer wichtigeren Verkaufsargument werden, braucht der Markt ein einheitliches Verfahren, mit dem sich die Emissionen exakt und realitätsnah berechnen lassen. An einem solchen Standard arbeitet das Europäische Institut für Normung (CEN). Ein vom Institut vorgelegter Entwurf wird zurzeit von der Branche diskutiert. Wenn voraussichtlich Ende 2012 die „Norm zur Berechnung von Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen von Transportdienstleistungen“ verabschiedet wird, wird diese zwar nicht bindend sein, sie dürfte aber für mehr Transparenz und die weitere Verbreitung von Klimabilanzen in der Transportwirtschaft sorgen.

Um Transportunternehmen schon jetzt eine taugliche Methode an die Hand zu geben, hat der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) den Leitfaden „Berechnung von Treibhausgasemissionen in Spedition und Logistik – Begriffe, Methoden, Beispiele“ herausgegeben. Das knapp 50-seitige Papier wurde vom Öko-Institut in Berlin und dem Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg verfasst und vom Umweltbundesamt finanziert. Der Leitfaden orientiert sich weitgehend am CEN-Normentwurf, so dass Unternehmen, die ihn heute nutzen, hoffen können, keinen unnötigen Aufwand zu treiben.

Eine realistische Treibhausgas-Bilanz eines Transports ist unter anderem deshalb aufwändig, weil nicht nur die Emissionen berücksichtigt werden müssen, die während des eigentlichen Transports entstehen. „Well to Wheel“ – von der Quelle bis zur Straße – nennt man diese Betrachtungsweise. Für die Herstellung von Diesel etwa ist Öl zu fördern und zu verarbeiten, der Kraftstoff schließlich muss zum Verbraucher transportiert werden. Auch Herstellung und Transport von Biodiesel ist mit Emissionen verbunden. Strom für den Antrieb von Elektroloks wird aus verschiedenen Energieträgern gewonnen; die Bilanz von Bahnstrom ist in verschiedenen europäischen Ländern sehr unterschiedlich, weil die Anteile von fossilen und erneuerbaren Energieträgern bei der Erzeugung stark variieren. Der DSLV-Leitfaden liefert Formeln und Umrechnungstabellen, um auch diese indirekten Emissionen realitätsnah zu erfassen. Zu berücksichtigen sind auch Emissionen, die im Transportunternehmen, aber nicht beim eigentlichen Transport von Gütern entstehen, etwa bei Leerfahrten, in Gebäuden oder Anlagen.

Der Leitfaden widmet ein eigenes Kapitel dem Thema Allokation, also der Frage, wie die gesamten Emissionen auf einzelne Sendungen aufzuteilen sind, wenn mehrere Sendungen zusammen transportiert werden. Dafür gibt es verschiedene Verfahren, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Noch komplexer wird die Rechnung, wenn die Transportkette verschiedene Verkehrsträger beinhaltet.

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Erstellung von Emissionsbilanzen kein Selbstzweck ist, sondern die Grundlage dafür, Emissionen zu verringern. Mit dem Leitfaden haben Transportdienstleister ein praktikables Tool, mit dem sie diesem Ziel näher kommen.


Hier gelangen Sie zum DSLV-Leitfaden.