Die Stadt wird Umweltzone

„Aus Glas und Gold und Stein.“ Das sind die Materialien, aus denen sich Liebende eine Stadt bauen. Das Logistikkonzept liefert der Pop-Text auch dazu: „Und jede Straße die hinausführt. Führt auch wieder rein“. Doch sieht so die aktuelle Blaupause der Stadtentwickler aus?

Kommunikation, Verkehr und Logistik machen die Welt zum sprichwörtlichen Dorf. Doch die reale Welt hat zunehmend ein städtisches Gesicht. Immer mehr Menschen leben auf begrenztem Raum zusammen, auch und gerade in Megastädten mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. In Deutschland ist nur der Ballungsraum Rhein – Ruhr in diese Dimensionen hineingewachsen. Doch auch Großstädte in deutschem „Normalmaß“ stellen hochkomplexe Organismen dar.

Deren alltäglicher Stoffwechsel kommt einem logistischen Gesamtkunstwerk gleich. Verkehrs- und Raumplaner müssen dabei im Wortsinn vernetzt denken. Wer Lebensqualität und Standortattraktivität als gleichrangige Ziele anerkennt, muss Ökonomie und Ökologie verbinden.

„Das Klima wird milder“ erinnert der schon erwähnte Songtext an die ökologischen Herausforderungen in den Städten. In der EU-Luftqualitätsrichtlinie sind u.a. Grenzwerte zur Feinstaubkonzentration in der Luft festgelegt. Bei Überschreiten sind die Kommunen zur Aufstellung von Luftreinhalteplänen verpflichtet. Das wohl bekannteste ordnungsrechtliche Instrument dieser Pläne stellt die Umweltzone dar. In diesen Zonen gilt grundsätzlich ein Fahrverbot für alle Fahrzeuge, die den festgelegten Abgasnormen nicht entsprechen. Nur so sehen sich die Städte in der Lage, die Schadstoffemissionen in Innenstadtbereichen zu vermindern und die geforderten Grenzwerte einzuhalten.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) ist über die kommunale Vielfalt bei den Umweltzonen wenig erbaut. So seien für das deutsche Transportgewerbe keine belastbaren betriebswirtschaftlichen Kalkulationen mehr möglich. Mit der eigene Datenbank DALU (Datensammlung Auswertung der Aktionspläne, Luftreinhaltepläne und Umweltzonen) will der BGL Orientierungshilfe geben. In der DALU sind alle wesentlichen Informationen zu den Umweltzonen, Luftreinhalte- und Aktionsplänen in 90 deutschen Städten enthalten. Auch die Ausnahmeregelungen und Behördenadressen sind dort hinterlegt.

Gerade Wirtschaftsverkehre fallen zu großen Teilen unter die Bestimmungen der Ausnahmeregelungen. Die sind vor Ort sehr unterschiedlich ausgestaltet, und deren Erlangung ist mit einer oftmals üppigen Verwaltungsgebühr verbunden. Das ruft die IHK-Organisation auf den Plan. „Uneinheitlich, bürokratisch, teuer“, lautet das Fazit des letzen Umweltzonen-Checks der Kammern. Die Selbstverwaltungskörperschaften der Wirtschaft plädieren für einheitliche Ausnahmeregelungen und deren bundesweite Gültigkeit. Derzeit gibt es eine solche Übereinkunft über Gemeindegrenzen hinweg nur in Baden-Württemberg. Generell erwartet die IHK-Organisation, dass vor der Einrichtung einer Umweltzone deren Verhältnismäßigkeit genau geprüft wird.


WEITERE INFORMATIONEN ZUR DALU:

BDF-Infoservice GmbH

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Telefon: 069 79 19-0
http://www.bgl-ev.de