Antennen für mehr Sicherheit

Die Industrie lässt diese Kennzahl nie aus dem Blick: Die Unfallquote. Ihre Höhe beeinflusst den Krankenstand, Ausfallzeiten, das Rating, den Aktienkurs und letzten Endes auch die Kreditwürdigkeit. Innovative Ansätze, um Unfallrisiken im Produktionsalltag zu minimieren, stehen bei Neuinvestitionen entsprechend hoch im Kurs. Als bei Bosch Rexroth am Standort Elchingen der Austausch der rund 100 eingesetzten Flurförderzeuge anstand, war die Sicherheit deshalb ein wichtiger Punkt der Ausschreibung.

Wettbewerb statt Ausschreibung

Ercan YildirimErcan Yildirim

"Wir haben aus der Ausschreibung einen Konzept-Wettbewerb gemacht, zu dem wir alle in Deutschland vertretenen Hersteller eingeladen hatten", erinnert sich Ercan Yildirim vom technischen Maschineneinkauf am Standort Elchingen. So konnte man die unterschiedlichsten Konzepte kennenlernen und einen gründlichen Überblick über den Markt erhalten.

"Neben der Sicherheit in Form einer auf sechs Stundenkilometer begrenzten Geschwindigkeit in den Hallen wollten wir eine möglichst hohe Standardisierung und Wirtschaftlichkeit der Flotte erreichen", so Yildirim. "Außerdem wollten wir bei einer um 20 Prozent geringeren Zahl an Fahrzeugen die Verfügbarkeit erhöhen und suchten nach einer Full-Service-Lösung für das Fuhrparkmanagement", ergänzt Steffen Ert, der mit seinem Team auf einer Fläche von rund 50.000 Quadratmetern die internen Transporte im Werk organisiert.

Bei der Geschwindigkeitsbegrenzung in den Gefahrenbereichen überzeugte STILL mit einer Lösung auf RFID-Basis. Das Konzept setzt je eine RFID-Antenne pro Stapler und rund 90 im Boden versenkte Transponder vor und hinter jedem der 27 Halleneingangstore voraus. Sobald ein Stapler vom Außenbereich in eine der Hallen fährt, wird das Tempo des Fahrzeugs automatisch auf maximal sechs Stundenkilometer reduziert. Erst beim Verlassen der Halle kann der Fahrer die Geschwindigkeit wieder selbst bestimmen. Insgesamt mussten bei Bosch Rexroth dafür im Innen- und Außenbereich 2.500 passive Transponder mit einem Durchmesser von je 6 Millimetern installiert werden.

135 statt 170 Fahrzeuge

Steffen ErtSteffen Ert

"Einer der Vorteile dieser zuverlässigen Lösung ist, dass sie nicht umgangen werden kann – nicht einmal aus Versehen oder aus Nachlässigkeit", stellt Yildirim fest. Bei den Ansätzen anderer Hersteller konnte dies nicht gewährleistet werden. Bei einer Steuerung mit Lichtschranken hätten zum Beispiel die Messbereiche ständig von Gegenständen freigehalten werden müssen. Zudem hätten die Tore zusätzliche Stromanschlüsse benötigt.

STILL konnte aber nicht nur durch die RFID-Kompetenz, sondern auch durch die moderne Antriebstechnik überzeugen. Bislang setzte Bosch Rexroth bei den Frontstaplern auf Verbrennungsmotoren mit Flüssiggasantrieb. "Elektrostapler kamen früher aufgrund des damals noch sehr aufwändigen Batteriewechsels und der langen Ladezeiten für unseren Dreischicht-Betrieb nicht in Betracht", so Ert.

Das einfache Batteriewechsel-Konzept von STILL und die zeitsparende Hochfrequenz-Ladetechnik haben den Elektroantrieb jedoch längst auch bei den Frontstaplern zu einer überlegenen Alternative gemacht. Mit einer geringen Zahl an Tauschbatterien lässt sich damit eine fast hundertprozentige Verfügbarkeit aller Flurförderzeuge darstellen.

Durch diese und andere organisatorische Maßnahmen konnte Bosch Rexroth die Flottengröße um 20 Prozent von vormals 170 auf nunmehr 135 Stück reduzieren.

Mit den effizienten Motoren spart das Unternehmen aber nicht nur bei den Energiekosten: "Pro Jahr verursachen die internen Transporte jetzt 127 Tonnen weniger CO2", betont Ert. Zu den Einsparungen bei den Energiekosten kommen der niedrigere Wartungsaufwand gegenüber den Gasantrieben und die günstigen Leasingraten im Rahmen des Full-Service-Vertrages. "Mit dem Projekt konnte eine deutliche Verbesserung der Kostenstruktur erzielt werden", sagt Yildirim.

Einheitliches Bedienkonzept

Service- und Wartung übernimmt STILL dabei nicht nur für die 88 neu gelieferten Fahrzeuge aus dem eigenen Haus, sondern auch für die 47 verbliebenen Geräte des früheren Lieferanten. Diese hatte STILL im "Sale and lease back" komplett übernommen und verleast sie nun an Bosch Rexroth zurück.

"Ein Teil der bisherigen Flotte war einfach noch zu jung. Hier wäre ein Austausch unwirtschaftlich gewesen", erklärt Yildirim. Die übrigen Fahrzeuge waren aufgrund ihres Alters bereits abgeschrieben und wurden von STILL zum Marktpreis in Zahlung genommen.

Abgesehen von den betriebswirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen wurde die Entscheidung auch durch die Mitarbeiter beeinflusst. Die zwei Top-Anbieter, die sich neben dem bisherigen Lieferanten in der ersten Runde des Konzept-Wettbewerbs durchsetzen konnten, stellten zu Testzwecken für rund drei Wochen je ein Deichselgerät und einen Frontstapler zur Verfügung. "Die Kollegen haben sich schnell an das Bedienkonzept von STILL gewöhnt" erinnert sich Ert.


Im Rahmen des Projektes hat STILL 22 Frontstapler der Typen RX20-16, RX20-20, RX60-25 sowie RX60-35 geliefert. Hinzu kamen 68 Deichselgeräte der Typen EXV12, EGV14, EGV16, EGV-S 20 und FV-X. Und das war erst der Anfang: Auch für die übrigen Produktionsstandorte von Bosch Rexroth geht STILL jetzt als bevorzugter Lieferant ins Rennen.

Hintergrund: Bosch Rexroth AG

Die Bosch Rexroth AG ist einer der weltweit führenden Spezialisten von Antriebs- und Steuerungstechnologien. Für über 500.000 Kunden entstehen unter der Marke Rexroth maßgeschneiderte Lösungen zum Antreiben, Steuern und Bewegen. Bosch Rexroth ist Partner für die Anlagenausrüstung und Fabrikautomation, für mobile Arbeitsmaschinen sowie für die Nutzung regenerativer Energien. Als The Drive & Control Company entwickelt, produziert und vertreibt Bosch Rexroth seine Komponenten und Systeme in über 80 Ländern. Das Unternehmen der Bosch-Gruppe erzielte 2009 mit 34.200 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 4,1 Mrd. Euro. Mehr Informationen unter: www.boschrexroth.com