XXL-Laster unterwegs

Beim Thema Gigaliner schlagen die Emotionen hoch. Die einen sehen in den bis zu 44 Tonnen schweren Lastwagen eine Chance für höhere Energieeffizienz und einen Weg, den drohenden Verkehrskollaps auf deutschen Straßen zu verhindern. Andere fürchten unkalkulierbare Sicherheitsrisiken und schwere Wettbewerbsnachteile für den Schienenverkehr.

Das schwarz-gelbe Bundeskabinett will der Sache auf den Grund gehen und hat einen Feldversuch für die Lang-LKW gestartet.

Herkömmliche LKW dürfen in Deutschland bis zu 18,75 Meter lang sein – immerhin rund die Länge von zwei Einfamilienhäusern. Die XXL-Brummer legen nochmal 30 Prozent drauf und bringen es auf bis zu 25,5 Meter. Zwei von den überlangen Fahrzeugen sollen drei „Normal-LKW“ ersetzen. Die Reduzierung von Fahrten, von Kosten und des CO2-Ausstoßes ist der erwartete positive Effekt.

Anfang November 2011 wurde per Ausnahmeverordnung, die nicht der Zustimmung des Bundestages und Bundesrates bedarf, ein fünfjähriger Feldversuch beschlossen. Das hat die Opposition auf den Plan gerufen, die den Beschluss vor dem Bundesverfassungsgericht anfechten will – allerdings ohne aufschiebende Wirkung. Die Verordnung ist am 1. Januar 2012 in Kraft getreten, ab Frühjahr 2012 rollen die ersten Laster. Sieben Bundesländer beteiligen sich an dem Feldversuch, nämlich Bayern, Hessen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Thüringen und Hamburg. Die übrigen Bundesländer müssen per Zwangsverpflichtung die Durchfahrt erlauben.
Die Ausnahmeverordnung ist Teil des Aktionsplans „Güterverkehr und Logistik“, der eine Fortschreibung des Masterplans „Güterverkehr und Logistik“ der Großen Koalition ist. Peter Ramsauer erklärt: ”Dieser Aktionsplan ist eine Grundlage dafür, dass Deutschland Logistikweltmeister bleibt.“ Die Vermarktung des Logistikstandorts Deutschlands stände im Mittelpunkt des Maßnahmenkatalogs, so der Verkehrsminister.

Vorgesehen ist, dass die Fahrzeuge sich auf definierten Korridoren und Straßen mit geeignetem Platzangebot bewegen. Das ruft die Kritiker auf den Plan. Bei Staus, Unfällen und Baustellen müssten die Strecken umgeleitet werden, möglicherweise würden dann Straßen mit zu gering dimensionierten Kreuzungen, Kreiseln, Bahnübergängen und Brücken befahren. Die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer sei programmiert, aber auch Häuser und Stadtmobiliar könnten leiden.

Die Fülle der Argumente und Positionen spiegelt sich in der Titulierung der sogenannten Gigaliner wider. Während Verkehrsminister Ramsauer vom Lang-LKW spricht, heißen sie bei der Automobilindustrie Eurocombi, euphorisch manchmal auch Ökolaster. Für Kritiker sind es schlicht Megatrucks oder – drastischer – Monstertrucks. Zu diesen Kritikern gehört auch die „Allianz pro Schiene“, die in einer Förderung der übergroßen LKW das falsche politische Signal sieht, das den Güterverkehr von der umweltfreundlichen Schiene verstärkt auf die Straße verlagern wird. Das Ergebnis wären dann doch mehr LKW-Fahrten und eine höhere Umweltbelastung.