Investitionsstau in Brasilien

Fußball-WM 2014 und Olympische Spiele 2016: In den kommenden Jahren wird die Welt auf Brasilien blicken. Dann dürfte auch augenfällig werden, was schon jetzt die wirtschaftliche Entwicklung des Riesenlandes zu behindern droht: die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur.

Der Kollaps kam in der Rush Hour: Als am 23. Mai ein Streik die U-Bahnen von São Paulo in den Depots festhielt, verstopften immer mehr Privatfahrzeuge die Straßen der brasilianischen Metropole.

Um 10 Uhr war der Stau auf eine Gesamtlänge von fast 250 Kilometern angewachsen – ein neuer Rekord in der an Rekorden reichen Megacity.

Das Ereignis ist symptomatisch für das größte Land Lateinamerikas, in dem die Verkehrsinfrastruktur mit dem Wachstum bei Weitem nicht Schritt hält. Die brasilianische Wirtschaft, mittlerweile sechstgrößte der Welt, ist zunehmend international vernetzt. Damit steigt die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern aus heimischer Produktion ebenso wie aus dem Ausland. Auch der Export nimmt zu – und dabei liefert Brasilien schon längst nicht mehr nur Rohstoffe, sondern auch hochwertige Industrieprodukte in alle Welt. Daraus resultiert ein überproportionaler Bedarf an Logistik- und Transportdienstleistungen – und eine entsprechende Inanspruchnahme der Verkehrswege.

Hier jedoch hapert es, und das betrifft alle Verkehrsträger. Der Agility Emerging Markets Logistics Index, der die Attraktivität verschiedener Schwellenländer für die Transport- und Logistikwirtschaft bewertet, listet Brasilien auf Platz drei, nach China und Indien. Zwar konnten die Süamerikaner damit ihre Position aus dem Vorjahr halten, jedoch haben sich die Teilindizes, die zum Gesamtergebnis führten, teils deutlich verändert. Während sich die Faktoren Marktgröße und Wachstumsaussichten verbesserten, verschlechterte sich die Beurteilung des Faktors „Connectivity“, der unter anderem den Zugang über Häfen und Flughäfen oder die Qualität der Verkehrswege und -einrichtungen misst.

Hier jedoch hapert es, und das betrifft alle Verkehrsträger. Der Agility Emerging Markets Logistics Index, der die Attraktivität verschiedener Schwellenländer für die Transport- und Logistikwirtschaft bewertet, listet Brasilien auf Platz drei, nach China und Indien. Zwar konnten die Süamerikaner damit ihre Position aus dem Vorjahr halten, jedoch haben sich die Teilindizes, die zum Gesamtergebnis führten, teils deutlich verändert. Während sich die Faktoren Marktgröße und Wachstumsaussichten verbesserten, verschlechterte sich die Beurteilung des Faktors „Connectivity“, der unter anderem den Zugang über Häfen und Flughäfen oder die Qualität der Verkehrswege und -einrichtungen misst.

Notorisch überlastet sind die brasilianischen Atlantikhäfen, in denen der Löwenanteil des Import- und Exportumschlags stattfindet. Derzeit wächst das Umschlagvolumen an den Häfen doppelt so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt. Die Folge sind immer längere Wartezeiten, die sich im größten brasilianischen Seehafen Santos auf mehr als zwei Wochen ausdehnen können. Verantwortlich dafür sind nicht nur mangelnde physische Kapazitäten, sondern auch veraltete und übertrieben bürokratische Prozesse. Die Regierung hat daher ein Programm gestartet, das die Umschlagkapazität der Häfen durch effizenzsteigernde Maßnahmen deutlich erhöhen soll.

Als unzureichend gelten schließlich auch die Investitionen in die Luftverkehrs-Infrastruktur. Trotz einiger Verbesserungen in den vergangenen Jahren arbeiten die größten Flughäfen des Landes am Rande ihrer Kapazität, was immer wieder für Störungen sorgt.

Mit Blick auf die Fußball-WM 2014 in Brasilien und die Olympiade in Rio de Janeiro zwei Jahre später forciert die Regierung Dilma in vielen Bereichen Verkehrsprojekte. Ob sich dadurch die Situation in Zukunft nachhaltig verbessern wird, bleibt abzuwarten. Klar scheint jedenfalls: Wenn Brasilien nicht viel größere Summen in seine Verkehrsinfrastruktur investiert, könnte diese zu einem starken Hemmschuh für die weitere Entwicklung des Landes werden.