Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern

Frische Waren aus Übersee, kostbare Fracht, schnelle Hilfe in Krisengebiete: das ist seit 100 Jahren die Domäne der Luftfracht.

Obst oder Frischfleisch verderben schnell, wertvolle Elektronik aus Asien bindet teures Kapital, bei Hungerkatastrophen zählt jede Stunde – nur drei der Gründe, warum es ohne Luftfracht nicht geht. Dabei kommt es eindeutig auf die Klasse an, nicht auf die Masse: von der Tonnage her werden nur knapp ein Prozent aller weltweiten Warenströme über den Luftweg abgewickelt, gemessen am Wert allerdings über 35 Prozent.

Rückblick. Am 19. August 1911 hebt in Deutschland das erste reine Frachtflugzeug in Berlin ab. Ziel ist Frankfurt/Oder, im Gepäck eine Ausgabe der „Berliner Morgenpost“, getreu dem Motto „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“. In den nächsten hundert Jahren entwickelt sich eine global ausgerichtete Branche mit Hunderttausenden von Beschäftigten. Bei Lufthansa Cargo, dem deutschen Marktführer, arbeiten heute rund 4.500 Beschäftigte, die meisten in Frankfurt/Main. Und immer noch sind Zeitungen mit ihrem rasanten Verfallsdatum auf den Transport mit Flugzeugen angewiesen: Pro Jahr verlädt die Lufthansa Cargo rund 2.300 Tonnen Zeitungen und Zeitschriften – mehr als 24 vollbeladene MD-11 F, das dreistrahlige Großraum-Langstreckenflugzeug und Flaggschiff der Cargoflotte.

Insgesamt werden in Deutschland rund 3,5 Millionen Tonnen Luftfracht jährlich umgeschlagen, davon in Frankfurt/Main 2,22 Millionen Tonnen (2011). Weltweit belegt das wichtigste europäische Drehkreuz den siebten Platz, deutlich hinter dem Spitzenreiter Hongkong. Während in Frankfurt der Frachtumschlag leicht rückläufig war, katapultierten sich Leipzig/Halle (plus 16,5 Prozent auf 760.000 Tonnen) und Köln/Bonn (plus 12,8, Prozent auf 726.000 Tonnen) im Jahr 2011 in Europa unter die Top 10. Insgesamt wird in Deutschland mehr als ein Viertel des gesamten EU-Luftfrachtumschlags ein- bzw. ausgeladen.

Boeing, US-amerikanischer Flugzeughersteller, prognostiziert in seinem „Current Market Outlook 2011 – 2030“ durchschnittliche jährliche Wachstumsraten des Luftfrachtverkehrs von 5,6 Prozent. Die weltweite Luftfrachtflotte würde sich demnach von 1.760 Flugzeugen im Jahr 2010 auf 3.500 im Jahr 2030 verdoppeln. Der europäische Konkurrent Airbus setzt daher auf Größe – der neue Airbus A 380F soll bei einer Reichweite von 10.400 km über 150 Tonnen Nutzlast haben. Bis zur Marktreife wird allerdings noch einige Zeit vergehen, Experten rechnen nicht vor 2015 damit.

Tagesaktuelles Thema im Luftfrachtverkehr sind nach wie vor die hohen Treibstoffpreise, die die Umrüstung auf sparsamere Motoren und das zügige Ausrangieren alter Spritfresser verlangen. Hoch emotional diskutiert werden die regionalen Nachtflugverbote und Pläne für neue Landebahnen – hier stehen sich die Interessen der Luftfahrtindustrie und der der Anwohner fast unversöhnlich gegenüber.

Auch die Luftfrachtsicherheit ist in den letzten zehn Jahren zum Top-Thema geworden: So hatte die Bundesregierung bereits zu Beginn der Legislatur beschlossen, 450 neue Planstellen einzurichten und geplante Kürzungen bei der Bundespolizei von bis zu 1000 Stellen zu stoppen. Damit sollen umfassende Frachtkontrollen ermöglicht werden.