Bloß keine Regallücken

Bei der Weihnachtslogistik kann der Weihnachtsmann zwischen Fallschirmabwurf, Eisenbahntransport oder Belieferung auf dem Luftwege wählen. Wenn es schneit, greift er zum Schlitten, um von Haus zu Haus zu ziehen und Geschenke zu verteilen.

Natürlich klappt die Bescherung am besten, wenn alles gut von Profis vorbereitet ist. Sie unterstützen den Weihnachtsmann und fangen bereits im Sommer an, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, zu welchem Zeitpunkt welche Waren in die Läden geschafft werden müssen, um Engpässe beim Laderaum oder bei der Rampenabwicklung zu vermeiden. Denn der Kunde, der bekanntlich auch als freundlicher Helfer des Weihnachtsmanns fungiert, soll uneingeschränkt zugreifen können.

Allerdings bestellen immer mehr der Kunden lieber, als sich in der Vorweihnachtszeit in den Läden zu drängeln. Die deutschen Versand- und Online-Händler rechnen im Weihnachtsgeschäft mit Rekordverkäufen, allen voran Marktführer Amazon. Dort werden allein in Deutschland täglich bis zu 2,8 Millionen Artikel bestellt. An einem Tag verlassen dann bis zu 660 LKWs die Logistikzentren in Rheinberg, Graben, Leipzig, Werne und Bad Hersfeld – aneinandergereiht hätten sie eine Länge von zehn Kilometern. Um die zusätzlichen Paketsendungen, aber auch Weihnachtsgrüße - sie sind noch nicht ganz aus der Mode gekommen - zu bewältigen, heuert die Deutsche Post DHL im Dezember bundesweit 10.000 Aushilfskräfte an.

Nur für die Lebensmittelbranche kann es trotz guter Planung dieses Jahr ein bisschen brenzlig werden. Da der Heiligabend logistikunfreundlich auf einen Montag fällt, bangt sie um die Anlieferung, vor allem der verderblichen Waren, die immer zuletzt kommen müssen. Dazu Unilever-Manager Reinhard Kastl: "Was sicher nicht schadet, ist das eine oder andere Gebet, dass uns extreme Wetterbedingungen erspart bleiben." Die weiße Pracht kann jede der minutiösen Planungen der Logistiker durchkreuzen. Das Geschäft des Jahres will nur eins: Regallücken vermeiden.

Deshalb sollten die Logistikdienstleister vor allem in den kurzen Wochen zwischen den Jahren flexibler reagieren und auch unattraktive Liefer-Zeitfenster nutzen, meint Henkel-Manager Oliver Wittig. Der Logistikchef des Drogeriemarkts dm, Christian Bodi, der seine Verteilzentren an mehreren Samstagen im Dezember öffnen will, berichtet: "Das trifft in der Industrie nicht auf ein breites Hurra."

Auf jeden Fall besteht der Weihnachtsmann bei seinen Helfern auf eins: die Pünktlichkeit. Denn der Heiligabend lässt sich nicht verschieben. Und er will keinen vergessen. Dabei unterstützt ihn jemand wie Frank Zander. Er lädt in Zusammenarbeit mit der Diakonie und vielen Freunden jedes Jahr 3200 Obdachlose ins größte Hotel Europas, ins Berliner Estrel, zur Gänsekeule ein. Damit legt er auch so etwas wie eine logistische Meisterleistung hin.

Ist Heiligabend da, kehrt überall Ruhe ein. Für kurze Zeit aber nur, denn dann muss bald schon das eine oder andere Geschenk umgetauscht werden, und alle fiebern dem Jahreswechsel entgegen.