Innovation in der Logistik als Wettbewerbsvorteil 2013

Neues Denken für neue Erfolge

Einen Markt erschließt man sich durch einen massiven Markteintritt – oder durch neue Ideen. Doch ausgerechnet in der Logistikbranche grassiert die Angst vor Innovationen. Dabei ist auch Innovation planbar, wenn man die Erfolgsfaktoren von Neuerungen in der Logistik kennt.

Wettbewerbsfähigkeit ist das entscheidende Kriterium für Unternehmen der Logistik-Branche, um auf den internationalen Märkten zu bestehen. Eine Binsenweisheit? Mag sein – aber nur bis man sich einen wichtigen Bestandteil dieser Fähigkeit genauer betrachtet: Die Innovation, diesen geliebten Trendbegriff, der häufig verwendet und selten durchleuchtet wird.

Innovation beinhaltet den Zündstoff, der Logistikunternehmen aus dem Ist-Stand in Richtung Zukunftserfolg katapultieren kann – vorbei an der Konkurrenz und manch altgedientem Prozess.

Das Verrückte dabei: Der Zündstoff  innovativer Ideen liegt im direkten Umfeld jedes Unternehmens. Bei den Mitarbeitern, den Dienstleistern, den Abteilungsleitern, den Partnern und Kunden. Man muss ihn "nur" erkennen, bergen, formen und strategisch auf dem Markt platzieren.

Dieses "nur" scheint jedoch mit großen Hürden belastet zu sein. Innovation bedeutet Risiko. Innovation bedeutet Neuland und Neuland bedeutet Unsicherheit. Innovation bedeutet Zeit und Zeit bedeutet Geld.   

Deshalb lautet die entscheidende Frage: Welche Faktoren bringen Innovationen hervor – und führen selbige letztlich zum Erfolg?

Innovationsmanagement gehört in die Chefetage

Ein kurzer Ausflug in die Theorie: Die Studie „Excellence of Innovation in German Industries“ (EIGI) der Unternehmensberatung The Galileo Consulting Group brachte das Innovationsdenken in die Köpfe und die Chefetagen der Unternehmen. Sie sieht sieben Faktoren bei der Optimierung von Innovationsstrategien:

  1. Prägnanz der Innovationsstrategie – Risikobereitschaft und aktive Förderung der Innovationen
  2. Netzwerkkompetenz – Langfristige Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern
  3. Detailgrad der Planung – Die Unterteilung der Arbeitsprozesse in kleine Teilbereiche
  4. Innovationskultur – Sensibilisierung der Mitarbeiter und des Managements für das Thema
  5. Brancheninterner Austausch
  6. Top-Management-Unterstützung – Das Management macht Innovationen zur Chefsache
  7. Branchenübergreifender Austausch

Die Studie kam zu dem Schluss, dass die Logistik bei allen Faktoren entscheidende Potentiale verschenkt. Vor allem die ersten vier Punkte fanden kaum Beachtung bei den Dienstleistern. Der Rat der Galileo Consulting Group an die Branche: Rücken Sie Innovationen mehr in den Fokus Ihrer Geschäftstätigkeit; nutzen Sie deren Differenzierungspotential; und lernen Sie von den Erfolgsbeispielen der Konkurrenz.

Handlungsempfehlungen für Innovationsstrategien

Zurück zur Kernfrage: Welche Faktoren bringen Innovationen ans Tageslicht und anschließend zum Erfolg? Die Universität Marburg betrachtet in diesem Zusammenhang regelmäßig die Faktoren, die zu einem Erfolg von Logistikinnovationen führen können.

So stellt Bastian Hornbostel von der Universität Kriterien auf, welche die Logistiker aus dem Innovationsloch holen sollten. Seiner Meinung nach sind neue Denkansätze zwingend notwendig, um auch in Zukunft Aufträge akquirieren zu können und die Wettbewerbsdifferenzierung zu gewährleisten.

Die Planung innovativer Projekte setzt dabei sowohl eine gute Personalpolitik, als auch die Akzeptanz der Unternehmensführung voraus. Diese können nur erfolgreich sein, wenn jeder Schritt zu jeder Zeit auf seine Effektivität und Effizienz überprüft werden kann.

Übergeordnetes Projektteam als Wissens-Sonar

Hornbostel empfiehlt eine parallele Entwicklung der einzelnen Prozessschritte. Abteilungsübergreifende Projektteams sollen als "Wissens-Sonar" fungieren, indem sie neue Erkenntnisse und Entwicklungen zusammenfassen und innerhalb des Projektes kommunizieren. Darüber hinaus sollten die Unternehmen ebenso ihre Kunden, Lieferanten, Wettbewerber, Forschungseinrichtungen und Unternehmensberatungen in die Überlegungen einbeziehen. Dabei gilt die goldene Regel: Eine innovative Idee setzt sich durch, wenn sie den Kunden von ihrer Überlegenheit überzeugen kann. Weitere entscheidende Faktoren sind: Komplexität, Anschaffungskosten, Teilbarkeit, Rentabilität, Kommunizierbarkeit und Testbarkeit der Innovation.

Planspiel als Praxisbeispiel: Effizientes Netzwerken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Logistikunternehmen werden in Zukunft an ihrer Effizienz und Flexibilität gemessen. Das EffizienzCluster Logistik Ruhrgebiet verbindet Wissenschaft und Wirtschaft der Branche in einem hochwirksamen Pilotprojekt. Ziel soll es sein, visionäre Verbundprojekte zu initiieren, die sowohl den demographischen Wandel und die wachsende Individualität der Verbraucher berücksichtigen und mit einem ökologisch und sozial verantwortlichen Wirtschaften in Einklang bringen. Davon versprechen sich die Akteure, zu denen zahlreiche namenhafte Unternehmen der Logistik-Branche wie die Deutsche Post AG, Continental und FraPort AG gehören, über 100 konkrete Produkt- und Prozessinnovationen, die über 4000 neue Arbeitsplätze schaffen sollen.

Die Produktinnovationen tragen so klanghafte Namen wie Stewart-Gough-Plattform und smaRTI und haben größtenteils eine Verbesserung der Intralogistik im Visier. Selbstdenkende Ladungen, die durch das Internet der Dinge verbunden sind, klingen zwar nach Science Fiction, werden jedoch hier real und erfahrbar gemacht, während sich Prozess- und Geschäftsmodellinnovationen demographischen Entwicklungen widmen. Sie beschäftigen sich mit Konzepten und Lösungen zur Vereinigung logistischer und nichtlogistischer Dienstleistungen und der Bündelung von Waren- und Materialströmen. Alternative Energiemodelle, wie elektromobile Versorgungsstrukturen im urbanen Raum und effizientere Navigationslösungen mit neuen Anforderungen an Transportsysteme spielen dabei ebenso eine Rolle.

Das Signal ist klar: Die Branche, die so viel bewegt, hat verstanden, dass nur Innovationen sie selbst in Bewegung halten. Erfolgsfaktoren, wie sie zum Beispiel von der Universität Marburg aktuell aufgezeigt werden, werden dabei helfen, das Innovationsmanagement zukünftig effektiv und erfolgreich zu realisieren.