"Wo bin ich und wo geht’s lang?"

Navigation - ursprünglich bedeutet das Wort mit dem lateinischen Ursprung ‚ein Schiff zu führen‘. Nun müssen aber nicht nur Kapitäne auf hoher See, sondern auch Flugpiloten, Kraftfahrer und alles was sich zielgerichtet fortbewegen möchte, navigieren. Seit den 90er Jahren vertrauen wir dabei auf satellitengestützte Navigationssysteme. Gab es bisher lediglich US-amerikanische und russische Systeme, kommt jetzt die europäische Antwort: Galileo.

Das europäische Navigationssystem, das in einer abgespeckten Version ab 2014 an den Start gehen soll, wird zurzeit in der Region Berchtesgaden getestet. Und eins steht fest: die Genauigkeit der Navigation wird eine neue Dimension erreichen. In der Endstufe, die ab 2020 erwartet wird, werden 30 Satelliten auf eine Höhe von etwa 23.000 Kilometer die Erde umkreisen. Über einen kleinen Empfängers lässt sich dann sehr genau die eigene Position bestimmen. In der frei zugänglichen Version soll eine Genauigkeit von etwa vier Metern erzielt werden.

Wenn man gegen Gebühr auch noch Zusatzdienste nutzt, lassen sich sogar Genauigkeiten von unter einem Meter erreichen und das überall auf der ganzen Welt. Zum Vergleich: das Navigationssystem GPS (Global Positioning System, offiziell NAVSTAR GPS), Basis der meisten derzeit genutzten Navigationssysteme und bereits in den 70ziger Jahren vom U.S. Verteidigungsministerium entwickelt, liefert in der öffentlichen Version eine Genauigkeit von nur zehn Metern. Zu ungenau, um zum Beispiel zu erkennen, ob auf einer mehrspurigen Fahrbahn für ein geplantes Rechtsabbiegen die Spur gewechselt werden muss. Kein Problem für Galileo.

Initiatoren von Galileo sind die Europäischen Union (EU) und die Europäische Weltraumorganisation (ESA). Bis 2020 werden die beiden Organisationen und einige andere beteiligte Staaten geschätzt 5,3 Milliarden Euro investiert haben. Viel Wert wird darauf gelegt, dass das neue Navigationssystem Galileo einzig für zivile Zwecke konzipiert wurde. Im Juli 2008 öffnete die EU aber mit der Resolution "Bedeutung des Weltraums für die Sicherheit Europas" ein Hintertürchen und erhob die Forderung, dass Galileo auch für Operationen im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) zur Verfügung stehen sollte.

Bei der Satellitennavigation misst man die Entfernung der Satelliten zum Empfänger. In den Funksignalen der Satelliten in Richtung Erde stecken im Wesentlichen drei Informationen:

  1. Wann das Signal ausgesendet wurde.
  2. Welcher Satellit das Signal gesendet hat.
  3. Wo sich der Satellit momentan befindet.

Sobald der Empfänger das Satellitensignal empfangen hat, muss er im Prinzip nur noch bei sich auf die Uhr schauen – und schon weiß er, wie lange das Funksignal unterwegs war.

Übrigens, die grundlegende Idee für eine Standortbestimmung mit Funksignalen wurde vor über 70 Jahren in Deutschland entwickelt. Der Erfinder war ein Ingenieur namens Karl Hans Janke, der als „pathologischer Erfinder“ auch das „Dreistufige Atom-Magnetische Blitz-Düsen-Triebwerk“ entwarf. Sein 1939 zum Patent angemeldeter „Standortanzeiger, insbesondere für Luftfahrzeuge“ gilt als das erste Navigationssystem der Welt.