Von der Weihnachtsbaumlogistik

Die Bewegungsströme der Weihnachtsbäume folgen ‚alle Jahre wieder‘ dem gleichen Muster. Dabei gibt es auch unkonventionelle Arten des Transports.

Mit einem Export von mehr als zehn Millionen Weihnachtsbäumen stellt Dänemark den europäischen Marktführer dar. Von dort und von nationalen landwirtschaftlichen Anbauflächen im Sauerland und in Schleswig-Holstein werden die Bäume in die Städte transportiert, um im Dezember feil geboten zu werden. Ihr Duft und vor allem ihr Stubenglanz entzückt. Mit Lichtern geschmückt und Ornamenten behängt wird er besungen: Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum.

Grün sind sie alle. Zumindest zunächst. Wenn es damit zu arg wird, müssen sie entsorgt werden. Deutschlandweit sind das jährlich rund 25 Millionen Bäume. Nach Silvester stehen die ersten als Gestrüpp auf der Straße. Die wenigsten Haushalte können das ausgediente Stück selbst häckseln und kompostieren oder verheizen. Für die Biotonne eignet sich der Christbaum nur bedingt. Der gesammelte Bioabfall kommt zur Verwertung in eine Nassvergärung, und die strukturhaltigen Äste und Zweige müssten aussortiert werden. Zudem verhindern die sperrigen Zweige oft eine ordentliche Leerung der Tonne. Also heißt es für die Stadtreinigungen Extraschichten zu fahren, um der Flut Herr zu werden.

In den meisten Städten werden die Termine fürs Einsammeln der Bäume bekanntgegeben. Lamettafrei und abgeschmückt soll er sein und nicht in einer Kunststofftüte verpackt. Manchmal gibt es Vorgaben, größere Bäume entsprechend zu stutzen, weil sie nur bis zu einer Länge von zwei Metern mitgenommen werden können. Die Entsorgung erfolgt ökologisch sinnvoll. Die Weihnachtsbäume werden dabei entweder kompostiert oder als Brennmaterial zur Energiegewinnung eingesetzt. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) zum Beispiel kooperiert mit Vattenfall unter dem Motto „Erst leuchten sie, dann heizen sie ein“. So wurden bisher jährlich rund 400.000 Bäume zu 2.700 Tonnen Holzhackschnitzeln zerkleinert und in Heizkraftwerken verbrannt. Damit können immerhin 700 Haushalte für ein Jahr mit Strom und Wärme versorgt, 2.000 Tonnen Kohle gespart und der CO2 Ausstoß um 3.000 Tonnen verringert werden.

Sofern Weihnachtsbäume noch nicht ausgetrocknet sind – deshalb betrifft es vor allem die nicht verkauften Exemplare, die nicht durchs warme Wohnzimmer gewandert sind – können sie auch an Elefanten und andere Tiere im Zirkus oder Zoo verfüttert werden. Das Baumharz macht sie zur Delikatesse. Oder die Bäume werden zu sportlichen Zwecken verwandt. Bei der ersten Wuppertaler Tannenbaum-Weitwurf-Meisterschaft Anfang 2012 lag der Rekord bei sieben Metern im freien Flug - und das mit einem fast drei Meter langen Exemplar. Das Vorbild für diese Aktion stammt aus dem hohen Norden. Nach schwedischer Tradition werden am 13. Januar (der Tag heißt Knut) Weihnachtsbäume von Süßigkeiten befreit und dann aus den Fenstern von Häusern und Wohnungen geworfen. In Deutschland wird diese Form des Transports aus Sicherheitsgründen allerdings nicht empfohlen.