Der Brief ist das Ziel

Dem Weihnachtsmann einmal höchstpersönlich die eigenen Wünsche sagen – oder wenigstens schreiben: Wer das schon immer einmal tun wollte, dem stehen in Deutschland mehrere Postämter der Rauschebarts zur Verfügung. Diese Weihnachtspostämter wurden einst von der Deutschen Bundespost ins Leben gerufen und von der Deutschen Post AG weitergeführt. Eine menschliche Geste mit logistischem Hintergrund.

Bald, ihr Kinder, wird’s wieder etwas geben: Wenn sich das Jahr seinem Ende entgegen neigt, steigen Spannung und Vorfreude bei Kindern ins schier Unermessliche.

Weihnachten steht vor der Tür – und die Hoffnung, dass unter dem schick geschmückten Weihnachtsbaum große und kleine Erfüllungen von Wünschen liegen könnten, sind für die Kleinen kaum zu ertragen. Manche wollen ganz sicher gehen und legen deshalb vorsorglich dem Weihnachtsmann höchstselbst ihre Wünsche ins analoge Postfach.


Geht nicht? Geht doch. Und das gleich mehrfach, denn der Weihnachtsmann hat in Deutschland mehrere Adressen. Dort nehmen fleißige Engel die Briefe in Empfang und unterstützen den viel beschäftigten Santa Claus tatkräftig bei seiner Arbeit.

1984 schrieben zwei Kinder aus Sachsen und Berlin erstmalig an den Weihnachtsmann im brandenburgischen Himmelpfort, wo das größte Weihnachtspostamt in Deutschland angesiedelt ist. Das war der Beginn einer Tradition, die von der Deutschen Bundespost begonnen und später von der Deutschen Post AG übernommen wurde. Um den Wunsch- zettelfluten Herr zu werden, wurden bald weitere Orte zu „Hohoho-Filialen“, die in ihrem Namen einen sprachlichen Bezug zum Weihnachtsfest hatten. Wie im genannten Himmelpfort, wo die Briefengel schon Anfang November 3.000 Briefe bearbeiten durften. Oder in Himmelstadt in Bayern. Im niedersächsischen Nikolausdorf. In Engelskirchen in Nordrhein-Westfalen. Oder im thüringischen Himmelsberg. Dort trudelte bereits im August der erste Brief an den Weihnachtsmann ein. In all diesen Städten versuchen die Helfer, bis zum 20. Dezember alle Briefe zu beantworten. Allein in Thüringen waren es im Vorjahr 7.000 an der Zahl – Tendenz steigend.

Aber das ist noch nichts gegen die Anzahl an Briefen, die im vorigen Jahr allein in Himmelpfort eingingen: Rund 300.000 große und kleine Kinder aus der ganzen Welt wollten dem rotweißen Wunscherfüller unbedingt ein paar Geschenktipps an die Hand geben. Selbst aus China trudelt hier Post ein – ob die Helferlein des Chinesischen mächtig sind, ist jedoch leider nicht bekannt.

Und was wird da so gewünscht? Ganz unterschiedlich. Natürlich Spielwaren, Süßigkeiten, Elektronikartikel. Aber auch Gesundheit und Frieden. Ein kleiner Knirps wünscht sich „einen Alien-Anzug“, ein Mädel hingegen „möchte, dass überall auf der Welt Frieden herrscht“. Einigen genügt es, weiße Weihnachten mit der Familie zu verbringen. Andere wiederum beschenken umgekehrt den Weihnachtsmann: „Als Geschenk lege ich Dir Energie-Tee bei, damit Du unterwegs nicht schlapp machst.“ Oder wollen ihm eine Freude bereiten: „Liebes Christkind. Ich habe keine Wünsche, aber ich male Dir ein schönes Bild."

Wer seine Anschrift hinterlässt, erhält eine Antwort, zum Teil mit Weihnachtsbriefmarke und Sonderstempel versehen. Gibt man sich besonders viele Mühe und malt ein Bild oder schreibt ein Gedicht, kann mit ein wenig Glück neben den Standard-Formulierungen und einer kindgerechten, weihnachtlichen Karte auch persönliche Zeilen vom Weihachsmann erhalten. Post vom Weihnachtsmann ist also gefragt. Auf der ganzen Welt. Der Glaube daran ist letztlich das schönste Geschenk.