Clever und smart

Maximale Wertschöpfung mit minimalen Ressourcen

Rohstoffpreise und Energiekosten steigen regelmäßig – und damit auch der Herstellungs- und Endpreis von Produkten. Um dieser Entwicklung adäquat entgegenzusteuern, müssen Unternehmen möglichst nachhaltig und effizient wirtschaften. Das Zauberwort heißt „Smart Efficiency“, ein intelligentes Zusammenspiel von Kosten-, Prozess- und Ressourceneffizienz. Auf der CeMAT 2014 in Hannover bildet sie das diesjährige Leitthema. Denn auch in der Logistik wird auf die „smarte“ Linie gesetzt.


Güterströme intensivieren sich, das Verkehrsaufkommen wird höher, und zugleich wachsen die Ansprüche der Verbraucher an Produkte und Lieferung. Das Feld der Logistik wird also immer komplexer, die Herausforderungen immer größer. Wer sich behaupten möchte, muss den nachhaltigen Umgang mit Material und Energie erlernen. Sprich: Smartness muss her. Um das Wirtschaftswachstum aufrechterhalten zu können, gilt es die Wertschöpfungskette „smart(er)“ und „effizient(er)“ zu gestalten. Kein Wunder, dass auch auf der CeMAT 2014 in Hannover das Thema lauten wird: „Smart – Integrated – Efficient“.

Das Credo lautet also: Maximale Wertschöpfung mit minimalen Ressourcen. Neudeutsch: Smart Efficiency. Mittels cleveren Effizienztechnologien werden Produktion, Logistik sowie die infrastrukturellen Bedingungen intelligent miteinander verknüpft, um eine bessere Kosten-, Prozess- und Ressourceneffizienz zu erreichen. Unternehmen, denen die Realisierung gelingt, können ad hoc und zukünftig Kostenvorteile erzielen. Ein Prinzip, das grundsätzlich für alle Branchen gilt. 

Elektromobilität bietet Potenzial

Und die industrielle Logistik im Speziellen? Sie greift bereits auf smarte Lösungen zurück und erhöht damit stetig ihre Umsätze. Allen voran die Trägerbranchen Maschinenbau und die Elektroindustrie konnten mit „Smart Efficiency“ und der Unterstützung der Elektromobilität bereits Erfolge erzielen. 

„Smart Efficiency steht nicht zuletzt für effiziente Produktionsprozesse und den sparsamen Einsatz von Material und Energie“, erklärt Achim Löhr, Senior Director PLM Value Solutions bei Dassault Systèmes. Sein Unternehmen stellt ein breites Lösungsangebot zur Verfügung, von Datenmanagement-Systemen bis hin zur virtuellen Planung einer Fabrik. Dazu gehört außerdem die Elektromobilität, über die sich in der jüngeren Vergangenheit noch recht zurückhaltend geäußert wurde. „Die Exzellenz in der Produktion wird darüber entscheiden, ob elektromobile Wertschöpfung in Deutschland stattfindet“, meinte Manfred Wittenstein, ehemaliger Präsident des Verein des deutschen Maschinen- und Anlagebaus (VDMA). Die Elektrifizierung des Antriebsstranges biete, so seine Worte, sowohl Nutzfahrzeugen als auch mobilen Maschinen immenses Potenzial. Aktuell ist zwar der Durchbruch noch nicht ganz gelungen, doch der Weg dorthin ist vielversprechend und wird international angepeilt. Audi-Chef Rupert Stadler gab unlängst die Marschroute vor: „Wir werden kein Land der Erde auslassen.“

IT und Kommunikation als entscheidender Baustein

Neue Informations- und Kommunikationstechnologien sollen und werden deutlich zu Effizienz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit beitragen. So erhielt die Forschergruppe „Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen“ (SCAI) 2011 den Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU). Sie entwickelte eine Software zur optimierten Ausnutzung von Material und Raum in Lagerhallen von ressourcenintensiven Branchen. Mehr als 7.000 Unternehmen greifen bereits auf die Fraunhofer-Software zurück. Die Agentur „demea“ prognostiziert Einsparungen bis zu 20%, die allein aufgrund von Materialeffizienz möglich sind. So sind immer häufiger Software-Lösungen gefragt, die Werkstücke, Gabelstapler und Container zu „selbstständigen“ Akteuren werden lassen. 

„inBin“ nennt sich so ein „Mitdenker“, der nicht nur eigenständig entscheidet, sondern ebenso mit Mensch und Maschine gleichermaßen kommuniziert. Jeder menschliche Schritt und maschineller Weg wird überwacht und gesteuert, begangene Fehler sofort erkannt, alle Daten gesammelt. Damit unmittelbar verknüpft: die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, die bis 2020 weiter wachsen wird. Experten rechnen mit einem Anstieg an verkauften Geräten von 1,3 auf 12,5 Milliarden.  

Viele Wege, ein Ziel

Unterstützung erfahren die Unternehmen bei der Entwicklung innovativer, ressourceneffizienter Produktionstechnologien unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), aber auch von Universitäten und Hochschulen, die gemeinsam mit Unternehmen forschen. Stellvertretend dafür steht die Innovationsallianz „Green Carbody Technologies“, der insgesamt 60 deutsche Unternehmen angehören. Professor Hans-Jörg Bullinger, Mitglied im Senat der Fraunhofer-Gesellschaft, fordert und fördert „den Weg Richtung Innovationen konsequent weiterzugehen und unsere Kräfte zu bündeln“. Die produkttechnische Ausrichtung zielt auf eine kosten-, termin- und ressourcengesteuerte Karosseriefertigung hin. Mit 50% weniger Energieeinsatz soll das schließlich umgesetzt werden.

IT-Sicherheitsdienstleitungen und Cloud-Systeme werden ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Beispielsweise via „Logistic Mall“, einem Marktplatz in der Cloud, auf dem unterschiedliche Dienstleister ihre Logistik-Module bereitstellen können. Diese lassen sich nach eigenen Belieben untereinander kombinieren. So werden außerdem Redundanzen abgebaut und Logistikprozesse wesentlich effizienter gestaltet.

Das Konglomerat aus wachsender Nachfrage, knapper werdenden Ressourcen, steigenden Umweltanforderungen und politischen Vorgaben bildet die große Herausforderung. Politiker, Unternehmer und Verbraucher müssen sich dieser bewusst werden und gemeinsam daran arbeiten, um die Stärke der Wirtschaft in Deutschland und Europa nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern weiter wachsen zu lassen. „Smart Efficiency“ ist das Gebot der Stunde – und zu Recht das Leitthema auf der CeMAT 2014.