Auf dem Prüfstand: E-Stapler RX 60-45 im f+h-Test

Als vorläufig letztes Gerät im Segment der Stapler mit höheren Traglasten nehmen wir den Elektrostapler RX 60-45 von STILL unter die Lupe. Ausgestattet mit einer Technik und Konzeption, die dieses Gerät für den Transport und das Handling schwerer Lasten prädestiniert, will der Stapler seine Leistungsfähigkeit und seine Produktivität unter rauen Testbedingungen unter Beweis stellen.

Elektrostapler RX 60-45 im TestElektrostapler RX 60-45 im Test

Die Elektrostapler der Baureihe RX60 von STILL im Tragfähigkeitsklassement von vier bis fünf Tonnen sind bereits seit geraumer Zeit auf dem Markt, dürfen aber im Rahmen unserer Tests im Segment der Stapler für schwere Lasten nicht fehlen. Unser Testgerät, der RX60-45 mit 4,5 Tonnen Tragfähigkeit, bildet zudem – nach den Tests der Stapler GEX50 von Clark (s. f+h 7-8/2013, S. 26 bis 29), J5.0XN von Hyster (s. f+h 10/2013, S. 24 bis 27) und EFG S40s des Herstellers Jungheinrich (s. f+h 11/2013, S. 18 bis 21) – den vorläufigen Abschluss unserer Tests im Klassement für das Handling schwerer Lasten.

Sichtverhältnisse

Beim ersten Kontakt mit dem RX60-45 registrieren wir einen Stapler, der über einen Triplex-Mast mit Freihub verfügt, aber keinen Seitenschieber besitzt. Die Hubhöhe des Masts beträgt 6 000 mm. Zur Verfügung steht uns mit dem Testgerät zudem ein Stapler, der mit einer Voll-Kabine ausgestattet ist, die dem Fahrer einen komfortablen Arbeitsplatz gerade bei Außeneinsätzen bietet. Ein Vorteil, der letzlich auch zur Produktivität des Fahrers beiträgt. Unseren Test absolvieren wir allerdings im Innenbereich, profitieren aber dessen ungeachtet vom Komfort der Kabine. Was die Sicht des Fahrers aus der Kabine betrifft, so hat er Last und Arbeitsumgebung stets gut im Blick. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten sicherlich die großen Glasoberflächen und die schlanken Kabinenpfosten. Hinzu kommt die gute Sicht durch den Mast.

Ein weiterer Aspekt in puncto Sicht ist der Gabelträger. Dieser ist bei unserem Teststapler zwar weniger wuchtig als wir dies häufig bei Staplern in diesem Tragfähigkeitssegment häufig antreffen, aber durch das ungünstige Zusammentreffen einiger Querverbindungen im Mast, fällt die Messung des toten Winkels etwas weniger günstig aus als gedacht. Dabei spielt auch die Länge der Gabeln von 1 000 mm eine Rolle, weil sie durch den kleineren Blickwinkel früher aus dem Sichtfeld verschwinden als längere.

Ausstattungsmerkmale

EinstiegBild 1: Trotz der etwas größeren Aufstiegshöhe ist der Stapler auch für kleinere Fahrerinnen gut erreichbar.

Den Zugang (Bild1) zum Fahrerarbeitsplatz in der Kabine empfinden wir als durchweg komfortabel. Die Trittstufe ist großzügig bemessen, ausreichend tief und unterscheidet sich farblich vom Rest des Fahrzeugrahmens. So ist sie besser zu sehen, was die Sicherheit beim Besteigen und Verlassen des Staplers erhöht. Zufrieden sind wir auch mit den Platzverhältnissen in der Fahrerkabine, deren Bodenplatte vollkommen eben und frei von Hindernissen ist. Die Pedale sind in der richtigen Höhe und im richtigen Abstand zueinander angeordnet, was ein einfaches und logisches Bedienen des Staplers ermöglicht.

Fahrersitz und Lenkrad sind, wie bei STILL üblich, etwas links von der Mitte in der Kabine angeordnet. Mit dem in vier Positionen einstellbaren Neigungswinkel der Lenksäule kann der Fahrer diese auf seine individuelle Position einstellen. Aufgrund des kleinen Lenkraddurchmessers (Bild 2) muss die Säule nicht nach vorne geschoben werden, um bequem ein- und aussteigen zu können. Auch die Position der Feststellbremse schränkt den bequemen Zugang zum Stapler nicht ein. Allerdings ist die Bedienung dieser Bremse aus unserer Sicht ein wenig gewöhnungsbedürftig, weil man sie zuerst komplett nach unten drücken und anschließend nach oben ziehen muss, bevor man sie loslassen kann.

Die auf der rechten Seite des Fahrersitzes befindliche komplett verstellbare Armlehne ist mit den Minihebeln zum Initiieren der Mastfunktionen und der Fahrtrichtung ausgestattet. Einen Fahrtrichtungsschalter finden wir auch an der Lenksäule. Wir nutzen aber nahezu ausschließlich den Schalter an der Armlehne. Unter der Lehne befinden sich diverse Aufbewahrungs- und Bedienelemente, u. a. für die Heizung der Kabine. Leider aber sind diese Fächer und Elemente aufgrund der Ausführung der Armlehne nicht so einfach zu erreichen.

DetailbilderBild 2: Aufgrund des kleinen Lenkraddurchmessers hat der Fahrer mehr Platz beim Ein- und Aussteigen.
Bild 3: Die einfach zu bedienenden Minihebel an der Armlehne sorgen für ein exaktes Initiieren der Mastfunktionen.
Bild 4: Aus dieser Perspektive, ist die breitere Vorderachse - die dem Stapler zusätzliche Stabilität verleiht - deutlich zu erkennen.

Leistungsbilanz und Energiesparpotenziale

Daten STILL RX 60-45Daten STILL RX 60-45 - Zum Vergrößeren klicken Sie bitte auf die Grafik

Wir gehen umfassend an die Leistungstests heran und fahren den RX60-45 in den Betriebsmodi 5, 3 und 1 (mit und ohne Blue-Q), und in einigen Fällen kombiniert mit der Sport- oder Eco-Funktion. Außer zu umfangreichen Tabelleneinträgen kommen wir in puncto Betriebsmodi zu folgendem Resultat: Im Modus 5 und in Kombination mit der Sport-Einstellung, aber ohne die Blue-Q-Funktion erzielt der Stapler die höchste Produktivität. Diese ist aber nur geringfügig größer als die im Programm 5 (mit Eco- und Blue-Q-Funktion) erreichte. Der dazugehörige Energieverbrauch ist im Programm 5 am höchsten. Entscheidet man sich im Modus 5 für die Kombination Eco plus Blue-Q, dann spart man zehn Prozent Energie, ohne dass wir einen merklichen Produktivitätsverlust während des Tests registrieren.

Im Betriebsmodus 1, so unsere Feststellung, wurde der Stapler vom Lieferanten etwas sparsamer eingestellt. Trotz dieser schon auf sparsamen Umgang mit der Energie vorgenommenen Programmierung, kommt das Einsparpotenzial erst mit den zusätzlich wählbaren Einstellungen Eco und Blue-Q voll zur Geltung. In dieser Kombination sinkt die Produktivität nur um vier Prozent gegenüber der maximalen Leistung im Betriebsmodus 5 (Sport ohne Blue-Q). Der Energieverbrauch sinkt jedoch um rd. 18 Prozent und das ist schon bemerkenswert.

Bei allen Verbrauchszahlen, die wir für den RX60-45 ermittelt haben, erzielt dieser Stapler bessere Werte als der Durchschnitt der bisher von uns getesteten Stapler in diesem Segment.

Im Programm 5, entfaltet der Stapler aufgrund der gemessenen Beschleunigung und hohen Fahrgeschwindigkeit sein volles Leistungsprofil. Aus der Zeitmessung während des Tests über unseren Parcours ergibt sich wiederum, dass diese Zahlen nicht allein für die letztendlich erbrachten Leistungen indikativ sind. Vielmehr ist es die Summe aus z. B. Bedienkomfort, Ergonomie, Fahrverhalten und der jeweiligen Geschwindigkeiten, die das Gesamtleistungsprofil des Staplers ausmachen. Und schließlich ist es auch der Fahrer, der sich auf seinem Stapler wohlfühlen muss, um die Technik und Ergonomie des Flurföderzeugs in Produktivität umsetzen zu können.

Bedienen und Fahren

Über die Minihebel (Bild 3) kann der Fahrer die Mastfunktionen auf einfache Weise initiieren. Beim Heben und Senken des Masts messen wir Geschwindigkeiten, die nahezu auf demselben Niveau liegen wie der Durchschnitt der bisher von uns getesteten Stapler in diesem Segment. Der Mast zeigt dabei einen ruhigen Lauf, ohne dass uns Torsionserscheinungen oder andere unerwünschte Bewegungen auffallen. Und so zeigt der Stapler mit drei Tonnen Testlast bzw. zwei Drittel der nominalen Traglast auf der Gabel auch in sechs Metern Höhe ein stabiles und sicheres Verhalten. Laut Lastendiagramm dürften wir sogar 3 960 kg auf diese Höhe heben. Für die maximale zulässige Traglast von 4 500 kg gilt eine maximale Hubhöhe von 5 380 mm. An dieser Stelle sei angemerkt, dass wir uns kurz an die Lesart des Lastendiagramms gewöhnen mussten.

Anders wie bei Staplern anderer Hersteller, muss dieses anstatt wie sonst üblich, von links nach rechts von rechts nach links gelesen werden, um zu ermitteln wie sich Hubhöhe, zu hebendes Gewicht und der Lastschwerpunkt zueinander verhalten. Ungeachtet dessen haben wir mit dem RX60-45 einen Stapler im Test, der sowohl mit als auch ohne Last und aufgrund der breiteren Vorderachse (Bild 4) ein gut einschätzbares Fahrverhalten zeigt. Dabei bremst er – abhängig vom gewählten Fahrprogramm – stärker oder weniger stark über den Fahrmotor ab. Im letzen Fall muss der Fahrer der Bremskraft mit der Fußbremse Nachdruck verleihen. Dabei zeigt sich eine relativ abrupte Reaktion. Eine besser dosierbare oder feinfühliger ansprechende Fußbremse wäre hier sicherlich ein Verbesserungswunsch unsererseits.


Testergebnisse im ÜberblickTestergebnisse im Überblick - Zum Vergrößeren klicken Sie bitte auf die Grafik

Die „Qual“ der Programmwahl

In der Regel verfügen die Stapler von STILL über fünf verschiedene, vom Fahrer selbst zu wählende Betriebsmodi, die vom Kundendiensttechniker entsprechend eingestellt werden. Im Programm 5 z. B. präsentiert sich uns der Stapler sozusagen mit voller Kraft. Im Modus 1 dagegen auf der unteren Leistungsstufe. Mit dem Energiesparprogramm Blue-Q fügt der Hersteller dem jeweiligen Betriebsmodus ein zusätzliches Feature hinzu. So kann jedes Standardfahrprogramm über die Schnellwahltaste mit der Blue-Q-Funktion, die vielfach eine spürbare Energieeinsparung bringt, kombiniert werden. Und als ob dies aus unserer Sicht nicht schon ausreichend wäre, verfügen die Stapler in dieser Tragfähigkeitsklasse auch noch über die Möglichkeit einen Sport- oder Eco-Modus zu wählen (Bild 07). Beide führen im Ergebnis in etwa zu den gleichen Energieeinsparungen wie der Staplerbetrieb im Blue-QModus. Alle Modi, sowohl Eco und Sport als auch Blue-Q, haben keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit beim Heben der Last, sondern bewirken lediglich ein anderes Beschleunigungsverhalten und eine niedrigere Maximalgeschwindigkeit des Staplers während des Tests.

Quelle: f+h 1-2/2014