Logistikeffizienz durch Telematik

Das Logistik-Geschäft, in dem der Konkurrenzdruck hoch und die Margen knapp bemessen sind, ist hart umkämpft. Die Anforderungen an die Kosteneffizienz bei gleichzeitigem Ausbau der „Green Logistics“ verschärfen sich jährlich. Mit Hilfe von Telematik-Systemen können Logistik-Unternehmen die Organisation und Steuerung ihrer Aufträge jedoch wesentlich effizienter gestalten, dabei Kosten einsparen und sogar optimal auf kurzfristige Kundenwünsche reagieren.

Eine Studie des ADAC rechnete schon im Jahr 2000 vor: Der durchschnittliche Autofahrer stand damals 65 Stunden im Stau. In Summe wurden dabei bis zu 14 Milliarden Liter Kraftstoff verbraucht, ohne dass eine Wegstrecke zurückgelegt worden ist. Eine unvorstellbare Größe. Bis heute hat sich daran kaum etwas geändert. Der ADAC warnt regelmäßig vor überlasteten Autobahnen, inzwischen aber ebenso vor überfüllten Großstädten. 2013 war dabei ein Rekordjahr: Die Summe der Staus belief sich auf insgesamt 830.000 Kilometer. Für LKW-Fahrer, deren Arbeitsnachweis die zurückgelegte Strecke in einem Zeitraum X ist, ein echtes Ärgernis. Schließlich schaden die unfreiwilligen Pausen dem Fahrer, der Umwelt und der Wirtschaft gleichermaßen. Logistik-Unternehmen sind zudem permanent einem Kostendruck bei gleichzeitig steigenden Umweltschutz-Anforderungen ausgesetzt. Entsprechend müssen die Transporte effizient und ökologisch gestaltet werden. Telematik-Systeme geben – entsprechend des Verkehrsaufkommens – nicht nur den idealen Weg vor, sondern zeichnen zugleich vom eingehenden Auftrag bis hin zur Lieferung alle wichtigen Daten exakt auf.

Seit Ende der 70er Jahre verknüpft die Telematik die Bereiche Telekommunikation und Informatik. Ein Telekommunikationssystem verbindet immer mindestens zwei Informationssysteme miteinander, die die jeweiligen Datensätze bearbeiten.

Anfänglich wurde diese Technik beim Tele-Banking eingesetzt, doch mittlerweile haben sich Telematik-Systeme auch in anderen Branchen durchgesetzt – zum Beispiel in der Logistik. Mit Erfolg. Nach der Einführung des Telematik-Systems bei der LKW-Maut ist die Skepsis zur Jahrtausendwende allmählich kleiner geworden. Der qualitative Nutzen eines Telematik-Systems hat sich bewährt, wenngleich laut DEKRA das Potenzial der Technik noch nicht ausgeschöpft worden ist.

Deutschland ist Entwicklungsland in der Telematik

Nur zehn Prozent der deutschen Transportunternehmen und Logistikdienstleister nutzen die Telematik. Deutschland ist damit im Vergleich zum Rest der Welt ein Entwicklungsland. In Frankreich und Italien nutzen circa 30 Prozent die Technik, die Spitzenreiter USA und Japan nähern sich der 40 Prozent-Marke.

Der Telematik-Markt hat jedoch im vergangenen Jahrzehnt eine beachtliche Entwicklung genommen. Während der Fokus anfänglich auf Standortbestimmungs- und Tracking-Lösungen gelegt wurden, sind mittlerweile eine Reihe hilfreicher Funktionen dazu gekommen. Elementar ist zum einen die Unterstützung der Geschäftsprozesse und zum anderen, dass nun das gesamte Unternehmen – Fuhrpark-Management, Personalabteilung und Fahrer – integriert wird und von den Vorteilen profitiert.

In Deutschland erfolgt die Initiative zum Kauf oftmals durch den Kunden, weniger durch das Unternehmen selbst. Denn Fakt ist: Die Kunden von Logistik-Unternehmen werden hinsichtlich Green Logistics, also der verhältnismäßigen Umweltverträglichkeit logistischer Prozesse, immer anspruchsvoller. Um deren Ansprüchen zu genügen, greifen einige wenige Unternehmen bereits auf die Vorteile von Telematik-Systemen zurück. In den meisten Fällen sind Kraftstoff- und CO2-Emissionen-Einsparungen die ausschlaggebenden Gründe. Doch hilft die Technik den Fahrern bereits jetzt, trotz Verkehrsverzögerungen über eine optimale Ausweichroute zum Ziel zu kommen. Allerdings ist damit das Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Im Gegenteil: Denn eigentlich dienen Telematik-Systeme in erster Linie der Gestaltung einer effizienteren Organisation sowie dynamischeren Planung von Transportprozessen. Dabei stehen Disponent und Frachtführer mit einem Nachrichtensystem im dauerhaften Kontakt. Der aktuelle Aufenthaltsort des Fahrzeugs, der Zustand der Ware und die Ankunftszeit sind via Cloud Computing immer einsehbar. Übersichten, Berichte und Statistiken werden zusätzlich in Echtzeit übertragen, die logistische, technische und personalbezogene Aufgaben abdecken und automatisch erstellen.

Motiviertes Fahrpersonal ist ein Schlüsselfaktor

Auch der Fahrer profitiert von diesen Arbeitsprozessen. Er bekommt alle relevanten Informationen zu seinen Fahrten direkt auf ein mobiles Endgerät zugeschickt, das als Bordrechner im Fahrzeug-Cockpit integriert ist. Wenn auf seiner Route ein Stau liegt, erhält der Fahrer umgehend die Informationen sowie eine alternative Route auf seinem Routenplaner. Wenn die Ladung ans Ziel gebracht worden ist, steht die nächste Tour schon fest, und die sollte am besten in unmittelbarer Nähe beginnen, um Leerfahrten sowie überflüssigen Kraftstoffverbrauch zu vermeiden.

Ebenso kann die Wartung mittels Telematik überwacht werden. Unter anderem werden die Temperatur im Kühllaster und das Öl im Getriebe dauerhaft kontrolliert. Die Werte unterstützen den Unternehmer bei seiner Entscheidung bezüglich anfallender Reparaturmaßnahmen. Sowohl teure Pannen als auch eine zu zeitige Wartung werden somit seltener. Waren in Millionenhöhe stehen unter ständiger Beobachtung und können nur aus der Ferne, sprich: extern, entriegelt werden. 

Unabhängigkeit, Flexibilität und Kontrolle

Logistik-Dienstleister müssen ein ausgereiftes System entwickeln, um ihre Transportaufträge und ihren Fahrzeug- sowie Ressourceneinsatz auf Dauer effizient planen, steuern und überwachen zu können. Hier bringen Telematik-Systeme die entscheidenden Vorteile: Unabhängigkeit, Flexibilität und Kontrolle. Sie können bei der Zuweisung und Dokumentation von Aufträgen bis zu 25% Zeit einsparen, zugleich die Produktqualität steigern und Kosten senken.

Die Formel, wer mehr Funktionen benötigt, muss mehr zahlen, gilt explizit nur bei geschlossenen Telematik-Systemen. Wer hingegen auf ein offenes System baut, kann es den sich verändernden Anforderungen immer wieder anpassen und erweitern. Allerdings gibt es bis dato kein System, das alle Funktion parallel zur Verfügung stellen kann. Summa summarum führt trotzdem kein Weg an der Telematik vorbei. Die professionellen und attraktiven Arbeitsbedingungen überwiegen für alle Beteiligten: Disponent, Fahrer und Kunde.