Verkehrsverflechtungsprognose

Zukunftsforscher schauen ins Jahr 2030

Der Blick in die Zukunft war immer schon großer Wunsch der Menschheit. Zu wissen, was das Morgen bringt, erlaubt das richtige Handeln heute. Das Hellsehen aus der Kugel und Kaffeesatzleserei haben sich aber als recht ungenau erwiesen. Mit wissenschaftlichen Ansätzen können Zukunftsszenarien besser skizziert werden. Das ‚Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur‘ hat daher den Auftrag zu einer Studie „Verkehrsverflechtungsprognose 2030“ gegeben, die unlängst veröffentlicht wurde.

Ziel der Studie war eine belastbare Prognose der Entwicklung des Personen- und Güterverkehr und der Verkehrsverflechtungen innerhalb Deutschlands und im Transit. Als Referenz wurden Daten aus dem Jahr 2010 hinzugezogen, auf die sich die Prognosedaten für die Entwicklung in den nächsten 20 Jahren beziehen. Ebenfalls flossen Daten vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBS) ein, das einen Rückgang der Gesamtbevölkerung von 80,2, Millionen (2010) auf 78,2 Millionen im Jahr 2030 (minus 2 Prozent) prognostiziert. Allerdings: der Anteil der über 65jährigen wird über 31 Prozent wachsen. Das heißt, die Anzahl derer, die im Erwerbsleben stehen und Mobilität besonders nutzen, wird noch deutlicher zurückgehen.

Trotz sinkender Zahlen der Erwerbstätigen sehen die Wissenschaftler die wirtschaftliche Entwicklung im Aufwind: Das Bruttosozialprodukt wächst in 20 Jahren um insgesamt 25,4 Prozent (von 2178 auf 2732 Mrd. Euro), die Exporte um 103,9 Prozent (von 658 auf 1342 Mrd. Euro) und die Importe sogar um 118,7 Prozent (von 548 auf 1198 Mrd. Euro). Einem steigenden Wirtschaftswachstum stehen also weniger Arbeitskräfte zur Verfügung, die möglicherweise auch eine geringe Wochenarbeitsstundenzahl leisten.

Für die Prognosen zur Verkehrsinfrastruktur wurde der Bundesverkehrswegeplan 2003 zu Grunde gelegt, der die Investitionsplanung der Bundesregierung definiert. Dort wird festgeschrieben, dass jährlich rund 10 Milliarden Euro in den Erhalt und Ausbau der Schienenwege, Fern- und Wasserstraßen investiert werden soll. Der Haken daran: ob diese Investitionen im Zeichen knapper Haushaltskassen tatsächlich getätigt werden, ist fraglich. Dennoch kalkuliert die Verkehrsverflechtungsprognose, dass zumindest der als ‚vordringlich‘ bezeichnete Bedarf des Bundesverkehrswegeplans abgearbeitet wird.

Im Güterverkehr wird das Transportaufkommen von 2010 bis 2030 um knapp 18 Prozent steigen, die Transportleistung sogar um 38 Prozent. Die Differenz zwischen Aufkommen und Leistung resultiert in erster Linie auf längeren Transportwegen. Beim Transportaufkommen sinkt der Anteil der auf der Straße transportierten Güter leicht von 84,1 auf 83,5 Prozent, während der Schienengüterverkehr um etwa 10 Prozent steigt. Die Transportleistung steigt überdurchschnittlich auf der Schiene um 42,9 Prozent (von 107,6 auf 153,7 Mrd tkm) und auf der Straße um 38,9 Prozent (von 437,3 auf 607,4 Mrd tkm). Bei längeren Strecken wird also die Bahn punkten, kürzere Strecken werden zunehmend mit LKWs abgewickelt.

Eine große Rolle in der Verkehrsverflechtung wird die Intermodalität spielen. Daher wächst der Güterverkehr von allen Bundesländern am stärksten in Hamburg und Bremen, bedingt durch den Seehafenumschlag. Auch Nordrhein-Westfalen kann durch die Verknüpfung von Bahn und Binnenschifffahrt punkten. In den ostdeutschen Bundesländern hingegen wird der Güterverkehr gar nicht oder nur kaum steigen, bedingt durch eine insgesamt schwächere Wirtschaftsentwicklung.

Wichtiges Thema in den nächsten 20 Jahren wird die Energieeffizienz und der CO2-Ausstoß sein. Die gesamten Emissionen werden um 23 Prozent zurückgehen und damit der Kyoto-Definition entsprechen. Spürbare Effekte werden bei Steigerungen der Auslastung und bei technologischen Effizienzverbesserungen erwartet.