Abgasfreies Kraftpaket

Der Elektrostapler RX 60-80 von STILL zeigt, was er kann

Der 8-Tonner RX60-80 von STILL ist leistungsstark und stabil, lässt sich aber genauso einfach bedienen wie ein durchschnittlicher 4- bis 5-Tonner. Mit diesem Kraftpaket beweist STILL , wie einfach das elektrische Fahren auch im schweren Segment geworden ist. Der Verbrauch ist durchaus überschaubar.

Elektrostapler RX 60-80 im Test

Im vergangenen Jahr lancierte STILL die neue RX60-Reihe mit einer Hubleistung von bis zu acht Tonnen. Die robusten Elektrostapler fielen sofort wegen der hohen Sitzposition und der recht kurzen Bauart auf, was auf die große Batterie zurück zu führen ist. Die Batterie (1 240 Ah/80 V) bildet den Mittelpunkt des Staplers und genau darüber befindet sich die Sitzposition des Fahrers.

Schnelle Eingewöhnung

Die Sitzposition und der Platzbedarf des RX60-80 sind etwas gewöhnungsbedürftig. Aufgrund der verbreiterten Vorderachse mit doppelt montierten Rädern ist der Stapler etwas breiter, als man zunächst denkt. Man kann die Schmutzfänger sehen, muss dazu allerdings kurz eine andere Sitzposition einnehmen. Der Bereich an der Rückseite des Staplers ist weniger überschaubar, da die Karosserie stark abgerundet ist. Man sitzt zudem links von der Mitte, wodurch man den Stapler auf den ersten Metern wirklich erst einmal kennenlernen muss. Das geht aber recht schnell.

Vorteilhaft ist, dass die STILL-Stapler mit einer Standardkabine ausgestattet sind, d. h. ein einheitliches Lenkrad, derselbe Fahrersitz einschließlich Armlehne und Mastbedienkonzepten. Unser Teststapler verfügt über zwei Minihebel, wobei nur mit dem Linken die Hub-, Senk- und Neigefunktionen bedient werden. Der rechte Minihebel ist für zusätzliche Hydraulikfunktionen gedacht, die bereits vorbereitet sind.

Hohe Sitzposition

EinstiegBild 1: Es geht hoch hinauf

Beim Einstieg in den Arbeitsbereich geht es hoch hinauf, was aber kein Problem ist. Über drei große Trittstufen mit einem passablen Abstand zueinander erreichen wir den Kabinenboden in einer Höhe von 1 220 mm. Dies ist bedeutend höher als die durchschnittliche Sitzhöhe bei kleineren Modellen. Mit einer Sitzhöhe von gut 1 700 mm hat man auf dem RX60-80 einen Arbeitsplatz „in luftiger Höhe“.

Die Sichtverhältnisse in der Kabine weisen nur wenige Einschränkungen auf. Die Verglasungsfläche ist auffallend groß und die Kabine hat sehr schlanke Säulen. Auch die Sicht durch und entlang des 3 500-mm- Duplex-Masts ist gut. Einige Abstriche macht der tote Winkel. Über eine Entfernung von 72 cm sind die Gabelspitzen nämlich bis zu einer Hubhöhe von zwei Metern nicht sichtbar, ohne dass man kurz eine andere Sitzposition einnehmen muss. Der Grund dafür ist der Gabelträger, der natürlich etwas schwerer ausgeführt ist als bei einem 3- oder 4- Tonnen-Fahrzeug.

Großzügiger Arbeitsplatz

ArbeitsplatzBild 2: Großzügiger Arbeitsplatz

Das Platzangebot in der Kabine ist in Ordnung. Die Bodenplatte ist frei von Hindernissen und bietet auch Fahrern mit großen Füßen reichlich Bewegungsfreiheit. Die Pedale sind im richtigen Abstand angeordnet, wenngleich das Bremspedal etwas zu hoch ist, um es reibungslos vom Fahrpedal aus bedienen zu können. Wir bremsen allerdings kaum. Das automatische Abbremsen des Antriebsmotors ist so gut, dass ein Loslassen des Fahrpedals ausreicht.

Die Sitzposition hinter der Lenksäule ist gut. Der Neigungswinkel der Lenksäule kann in vier Positionen eingestellt werden. Dank des angenehm kleinformatigen Lenkrads ist es nicht nötig, die Lenksäule zum einfachen Einund Ausstieg zu verstellen. Auch die Feststellbremse ist gut platziert und hindert nicht beim Ein- und Aussteigen. Die Bedienung der Bremse ist etwas gewöhnungsbedürftig. Bereits früher haben wir bei der STILL-Kabine festgestellt, dass diese ursprünglich für Hebel auf der Batterieabdeckung entworfen wurde und nicht für Hebel auf der Armlehne des Fahrersitzes. Aufgrund dieser Lehne sind die Ablagefächer unter der Lehne weniger gut erreichbar.

Leistung

Daten STILL RX 60-80Daten STILL RX 60-80 - Zum Vergrößeren klicken Sie bitte auf die Grafik

Mit den Minihebeln können die Mastfunktionen des RX60-80 gut geregelt werden. Die Hubgeschwindigkeiten sind so, wie man sie bei einem Stapler mit dieser Hubleistung erwartet: angesichts des Gewichts unserer Lasten berechenbar und gut kontrollierbar. Der Stapler weist dabei einen äußerst stabilen Charakter auf, was bei einem Eigengewicht von elf Tonnen natürlich auch kaum verwunderlich ist.

Während der Leistungsmessungen macht sich dieses enorme Gewicht kaum bemerkbar. Wir fahren den Stapler in den Einstellungen 5 (maximal) und 3, und zwar sowohl mit als auch ohne eingeschaltete Blue-QFunktion. Blue-Q ist das Energieoptimierungssystem von STILL, das wir bereits bei verschiedenen Staplern angetroffen haben. Blue-Q spart sowohl im Modus 5 als auch 3 ca. 13,5 bis 14 Prozent Energie, das Verhalten des Staplers ist aber ohne Blue-Q – zumindest mit einem entsprechenden Platzangebot – doch angenehmer. Wer sorgfältiger arbeiten muss, und vor allem eine längere Einsatzdauer wünscht, kann die Fahrzeit mit Blue-Q um gut eine Stunde verlängern.

Neu bei STILL ist eine Displayfunktion, die fortlaufend den durchschnittlichen Verbrauch berechnet und Abweichungen nach oben oder unten grafisch anzeigt. Die Werte auf dem Display stimmen nahezu vollständig mit unseren Messwerten überein. Unterm Strich kommen wir zu einer berechneten praktischen Einsatzdauer von 6:33 Stunden im Modus 5 und 7:35 Stunden im Modus 5 mit Blue-Q. Im Modus 3 ist das Ergebnis nur geringfügig höher. Zusammen mit dem soliden Fahrverhalten und den kompakten Abmessungen sorgen diese Erfahrungswerte dafür, dass man das elektrische Fahren in der 8-Tonnen-Klasse unbedingt in Erwägung ziehen sollte.

Verbesserte Batteriezugänglichkeit

Das seitliche Batterieaustauschsystem wurde erneuert und erweitert. Neben der Option, die Batterie mithilfe eines anderen Gabelstaplers zu wechseln, bietet STILL seit dem 1. April 2014 auch die Möglichkeit, einen Elektro-Deichselstapler einzusetzen. Dieser Stapler vom Typ ECU 30 ermöglicht den Batteriewechsel auch in kompakten Räumen. Der Elektro-Deichselstapler hat eine Hubleistung von drei Tonnen, was für das Handling der 1 240 Ah/80 V-Batterie völlig ausreichend ist. Das Anschließen und Lösen der Batteriekabel wurde dank der Hebelkonstruktion vereinfacht. Der Verriegelungsbalken an der Unterseite des Fahrgestells ist nicht mehr aus einem Guss gefertigt, sondern auf dem Fahrgestell angebracht und dadurch austauschbar. Bei einem intensiven Einsatz mit einem höheren Verschleißrisiko ist dies ganz gewiss eine Verbesserung.

Testergebnisse im ÜberblickTestergebnisse im Überblick - Zum Vergrößeren klicken Sie bitte auf die Grafik


Quelle: Theo Egberts, Andersom Testing, f+h Sonderdruck aus Ausgabe 4/2015

Video: Der RX 60-80 im Praxistest