Komm, mach du das.

Alte Idee für die neue Zeit

Outsourcing ist in der Logistik üblicher, als viele es vermuten. Schon vor über einem Jahrzehnt wurde das Prinzip angewandt, Teile der Wertschöpfungskette von externen Firmen durchführen zu lassen – und das mit Erfolg. Doch aktuell nutzen wenige Unternehmen die Potenziale, die das Outsourcing bietet.

Ausgerechnet die Baubranche macht es vor: Ein Auftrag, ein Generalunternehmen, ein zufriedenstellendes Resultat. Was in der Bauwirtschaft als Routine gilt, könnte bald auch wieder in der Logistik-Welt einen festen Platz einnehmen: Mit einem 4th-Party-Logistics-Anbieter (4PL), der maßgeschneiderte, individuelle Logistik-Lösungen anbietet, die deutliche Einsparungen erzielen können. Das Modell hat sich bislang noch nicht so recht in der Logistikbranche festgesetzt, das Interesse daran wächst aber kontinuierlich. Vor allem weil erste Unternehmer über positive Erfahrungen zu berichten wissen.

CENTRAL STATION AG, Bildquelle: 4PL CENTRAL STATION GROUP

Einer davon ist Gerald Floß, Geschäftsführer der 4PL Central Station Deutschland GmbH (4PLCS). „Vor ein paar Jahren mussten wir mit der Idee noch missionieren gehen. Heute erhalten wir jede Menge Aufträge", beobachtet Floß die beachtliche Entwicklung. Unter anderem erhielt das Unternehmen jüngst einen Auftrag von Knorr-Bremse und von Bayer Material Science (BMS). Mit einem ganzheitlichen Leistungspaket, das von der Beratung über Coaching bis hin zur Logistik reicht, sind Einsparungen von bis zu 30 Prozent möglich. Inzwischen betreut das Unternehmen mittlerweile mehr als 30 Kunden in Europa. Besonders der Dienstleistungseinkauf und das Transportmanagement sind gefragt. Floß ist sich sicher, dass der Markt die Bedeutung von 4PL verstanden hat und diese in Zukunft häufiger anwenden wird.

Optimierung dank Outsourcing

4PL-Anbieter sind Firmen, welche klassische Mehrwertdienstleistungen anbieten sowie  logistische Prozesse koordinieren. Dabei stellen sie dem Auftraggeber jedoch bewusst weder Fahrzeuge, Lagerhallen, noch logistische Ausrüstung zur Verfügung. Das A und O ist eine gut ausgebaut IT-Struktur. Ziel ist es ohne eigene Betriebsmittel die Steuerungs- und Integrationsfunktionen zu übernehmen und für eine Effizienzsteigerung zu sorgen.

Der Begriff Outsourcing beschreibt bekanntlich die Verlagerung von Wertschöpfungsketten eines Unternehmens auf andere Dienstleister. Das heißt: Qualifizierte und spezialisierte Unternehmen übernehmen entweder die Produktion von Komponenten oder sie stellen Dienstleistungen zur Verfügung. Oder auch beides. Damit können Produktions-, Entwicklungs- und auch Dienstleistungskosten reduziert werden. Schlüsseltechnologien sollten aber auf gar keinen Fall aus den Händen gegeben werden.

Laut der von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG 2014 angefertigten Studie „4th Party Logistics – Chancen und Herausforderungen“ gewinnt eine effizientere Gestaltung der Wertschöpfungskette immer mehr an Bedeutung. Im Vergleich mit Großbritannien und den USA nutzen gegenwärtig erst wenige deutsche Unternehmen das Optimierungspotential, das mit einem 4PL-Anbieter nachweißlich erzielt werden kann. Fehlendes Vertrauen sowie die Gefahr, von 4PL-Anbietern abhängig zu sein, sind die beiden häufigsten Vorbehalte.

Kampf gegen Vorbehalte

Floß räumt diesbezüglich ein, dass jeder Kontrakt – nicht nur mit einem 4PL-Anbieter – eine gewisse Abhängigkeit beinhaltet. „Wir können nur langfristig erfolgreich sein, wenn wir dem Kunden kontinuierlich einen Mehrwert bieten“, sagt Floß und versucht damit die Bedenken zu mildern. Die KPMG empfiehlt hierbei, die zentrale Logistikabteilung als Schnittstelle einzusetzen, um sowohl die Abhängigkeit als auch den Verlust der Logistikkompetenz so gering wie möglich zu halten. Die meisten Unternehmen wollen aber diese gar nicht erst abgeben und entscheiden sich aus diesem Grund gegen das 4PL-Prinzip.

4PL-Dienstleister müssen mehr denn je gegen die Vorbehalte ankämpfen, wie die Studie der Bereiche Supply Chain- und Netzwerkmanagement der TU Darmstadt belegt hat. Insgesamt wurden 80 Verlader und Dienstleister befragt, Verständnis und Vorbehalte genauer zu erfassen. Interessant war vor allem die Tatsache, dass klassische Logistikaufgaben seit Jahren von spezialisierten Logistikdienstleistern übernommen werden. Diese sind somit zum Bindeglied in der Kette zwischen Kunde und Lieferant geworden und nun nicht mehr wegzudenken. Das 4PL-Konzept ist somit bereits bekannt – wenngleich es auf andere Art angewandt wird. Die Zurückhaltung ist dementsprechend oftmals unbegründet.

Von der Marktnische zum Marktsegment

Jedes Unternehmen profitiert – unabhängig von seiner Größe – von der Variabilisierung der Fixkosten. Großunternehmen werden deutlich flexibler, zudem können sie in einem erheblichen Maß Transaktionskosten senken. Bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wird die Qualität der eigenen Logistik gesteigert und das Leistungsspektrum ausgebaut. Sie erhalten Know-how, das man ohne einen 4PL-Anbieter im Normalfall kaum hätte erwerben können.

Die Resonanz fehlt jedoch, weil die Verbreitung des 4PL-Ansatzes in aller Regel negativ konnotiert ist. Hindernisse, Risiken und Gefahren dominieren die Debatte. Das größte Implementierungshindernis ist, dass die Unternehmen nichts von ihrer Logistikkompetenz abgeben wollen – und das, obwohl 4PL-Anbieter mit den neuesten Entwicklungen bestens vertraut und dadurch in der Lage sind, innovative Konzepte jederzeit zu erstellen.

Der verhaltenen Nachfrage gegenüber 4PL-Konzepten stehen sehr positive Erfahrungen einiger Unternehmen gegenüber. Mit eben diesen sowie der Beseitigung vorhandener Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage ist mit der Verbreitung des 4PL-Modells zu rechnen. „Die Logistik eines Unternehmens ist unserer Studie zufolge umso leistungsfähiger, je höher ihr Outsourcing-Grad ist“, haben Professor Hans-Christian Pfohl (TU Darmstadt) und Steffen Wagner (KPMG) festgestellt.

Ob die Baubranche als konzeptionelles Vorbild der Logistik taugt, wird die nähere Zukunft zeigen. Die 30 Prozent Einsparungspotenzial, die mancher Experte durch den Einsatz von 4PL-Dienstleistern sieht, sind jedenfalls ein attraktiver Meilenstein.