STILL Verkehrspolitik in der Logistik

Titelverteidigung fest im Blick

Die Prognosen sind eindeutig: Bis 2030 steigt die Verkehrsbelastung um 38 Prozent, sodass die deutsche Infrastruktur vor einer enormen Belastungsprobe steht. Die Bundesregierung hat deshalb einen Aktionsplan erstellt, der wesentliche Ziele für den Transport von Waren und Gütern in Zukunft zusammenfast.

Ohne logistische Prozesse wäre unser Alltag heutzutage unvorstellbar. Ein Beispiel, das jeder kennen dürfte: Rechner anschalten, im Internet einen Artikel heraussuchen und diesen dann mit einem einzigen Klick bestellen. Dieser Klick bringt eine ganze Logistikkette ins Rollen von der Bestellung bis zum  Versand der Ware. Eine pünktliche Lieferung wird als Selbstverständlichkeit angesehen. Dass dahinter viele logistische Prozesse stehen, sehen jedoch die wenigsten. Gibt es Probleme bei der Lieferung, entsteht sofort Unmut – und Schuld trägt am Ende die Logistik. Doch die Politik weiß sehr genau, welches Potential die Logistik für die deutsche Wirtschaft besitzt.


Denn Güterverkehr und Logistik sind die Wachstums- und Beschäftigungsmotoren schlechthin. Um die Stellung als Logistik-Weltmeister halten zu können, müssen Güterverkehr und Logistik jedoch maßgeblich gefördert und ausgebaut werden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat einen Aktionsplan verabschiedet, dessen Fokus vor allem auf Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz ausgelegt ist und explizit die Mobilität erhöhen soll. Ein intensiver Dialog zwischen Verkehrswirtschaft und Verbänden hat bereits begonnen. Um den Titel als Logistik-Weltmeister verteidigen zu können, hat der BMVI mehrere Ziele klar benannt.

Stadt, Wasser, Luft


Als erstes gilt es den Logistikstandort Deutschland weiter zu stärken. Dazu gehört der Ausbau des nationalen Hafenkonzepts für die See- und Binnenhäfen. Zum einen fungieren diese als Drehscheibe für den nationalen und internationalen Handel. Zum anderen haben sie sich sowohl dank guter seewärtiger Zufahrten als auch landseitiger Anbindungen immer mehr zu attraktiven Logistikzentren entwickelt, die Industrie und Dienstleister gleichermaßen ansprechen. In Bezug auf den Luftverkehrsstandort Deutschland lässt sich ähnliches konstatieren. Auch hier gilt es, die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit weiter auszubauen. „Ein innovatives Land benötigt eine moderne Infrastruktur und gut aufgestellte Verkehrsunternehmen“, sagt Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.


Das Verkehrsaufkommen wächst

Um die guten infrastrukturellen Bedingungen noch leistungsfähiger zu machen, sind kontinuierliche Investitionen unabdingbar. Ein neuer Bundesverkehrswegeplan (BVWP) sichert die Qualität von Schiene, Land- und Wasserstraßen. Aus- und Neubauten konzentrieren sich zumeist dort, wo Hauptachsen zur Beseitigung von Engpässen vorliegen. Dazu gehören zum Beispiel Hinterlandanbindungen von Seehäfen, wie die Fehmarnbeltquerung als gemeinsames Großprojekt von zwischen Deutschland und Dänemark aktuell eindrucksvoll beweist.

Um den Anstieg des Güterfernverkehrs und das sich entwickelnde LKW-Parkplatzdefizit abzufangen, wird der Ausbau von Rastanlagen vorangetrieben. Bis 2017 sollen mindestens 6.000 zusätzliche LKW-Parkstände gebaut worden sein. Zudem werden 50 Millionen Euro in die Verkehrs-Telematik gesteckt, um die bestehende Verkehrsinfrastruktur effizient nutzen und die Verkehrssicherheit erhöhen zu können. Dazu gehören vorausschauende Informationen zu Staus, freien Parkplätzen und Verkehrsfluss.

Neue Wege gehen

Auch die jeweiligen Verkehrsträger sollen besser miteinander in Kommunikation stehen, sodass der „kombinierte Verkehr“ weiter wachsen kann. Neben technischen Anlagen auf Autobahnen und Schnellstraßen werden Ver- und Entladeorte für schwere Güter als Umschlaganlagen aus- und neugebaut. Die Verkehrsträger sind damit noch besser vernetzt und die Schiene und Wasserstraßen verstärkt in die Logistikkette integriert.

Neben dem umweltfreundlicheren Transport von Gütern wird auch zunehmend an den Verkehrslärm gedacht. So dürfen bis 2020 keine lautstärkeintensiven Güterwagen mehr über deutsche Schienen rollen. Über 100.000 Güterwagen aus zwölf europäischen Unternehmen wurden bereits mit neuartigen Bremssohlen zur Lautstärkereduktion ausgestattet. „Mit glatten Rädern auf glatten Schienen werden die Geräusche nachhaltig um bis zu zehn Dezibel geringer, was subjektiv als nur noch halb so laut empfunden wird“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn AG.

„Logistics made in Germany“


Bei all den Investitionen und Innovationen darf der Mensch nicht vergessen werden, der in der Logistik beschäftigt ist. In den nächsten Jahren wird ein erheblicher Arbeitskräftemangel auf die Branche zukommen. Allen voran fehlen die Berufskraftfahrer. Obwohl die Beschäftigungschancen gut sind, interessiert sich der Nachwuchs selten für das Berufsbild. „Das Transportwesen hat ein Image-Problem“, sagt Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Mente Factum. Besonders der Umgang mit Personal und die Arbeitsbedingungen werden als Hauptgründe genannt. Auf einer Liste, die von „Mente Factum“ halbjährlich aktualisiert wird, landete „Traffic and Transport“ jüngst auf dem drittletzten Rang. Nur der Energiesektor und das Bankenwesen wurden noch schlechter bewertet. „Der Branche fehlt es an Fantasie und Spannung“, so Schöppner.

Wenn wieder besser vermittelt wird, welche Relevanz und Reiz von einem Job in der Logistik-Branche ausgehen kann. Hat sich das Bewusstsein in der Öffentlichkeit geschärft, welche Leistung hinter einer funktionierenden Logistikkette steckt, wird dies auch der Online-Besteller anerkennen, wenn er seine bestellte Ware wieder einmal pünktlich in den Händen hält.