Ausbildungsziel: Logistik

„Sie sind jung, zupackend, klug, beweglich und vielseitig?“ So bescheiden definiert das „Berufsportal Logistik“ die Anforderungen an junge Auszubildende. Die werden dringend gesucht. 2,64 Millionen Arbeitnehmer in der deutschen Logistikbranche brauchen qualifizierten Nachwuchs.

Gesamtwirtschaftlich setzte sich auch im letzten Jahr der Negativtrend auf dem Ausbildungsmarkt fort: Ausbildungsplätze und die Ausbildungsplatznachfrage sind gesunken, genauso wie die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Nur 522.200 Verträge wurden im Jahr 2014 abgeschlossen, rund 100.000 weniger als zu den besten Zeiten. Ein weiteres Problem ist die sogenannte Passung oder neudeutsch das Matching: Ausbildungsstellen können nicht besetzt werden, weil qualifizierte Bewerber fehlen, und junge Menschen finden keinen Ausbildungsplatz, weil Berufswunsch und die jeweiligen regionalen Angebote nicht zueinander passen. Die Logistik widersetzt sich dem allgemeinen Trend: hier können leichte Verbesserungen bei der Ausbildungssituation verzeichnet werden: Die abgeschlossenen Ausbildungsverträge stiegen um rund 3 Prozent, die Nachfrage ist erfreulich groß.

Spitzenreiter der Ausbildungsberufe in der Logistikbranche ist die ‚Fachkraft für Lagerlogistik‘ – insgesamt 10.167 Jugendliche begannen 2014 eine solche Ausbildung. Im Ranking aller Ausbildungsberufe bedeutet das bundesweit Rang 15 und eine Steigerung um 2,5 Prozent im Vergleich zu 2013. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung (5.856 abgeschlossene Ausbildungsverträge im Jahr 2014 – plus 8 Prozent im Vergleich zu 2013) und Fachlagerist/in (5.526 Ausbildungsverträge – minus 1,8 Prozent). Der Beruf des Berufskraftfahrers/-fahrerin hat an Beliebtheit zugenommen: Die Ausbildung begannen im vergangenen Jahr 3.531 junge Menschen, darunter 129 Frauen. Eine negative Tendenz lässt sich in den Ausbildungsverträgen zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen erkennen. Gab es 2013 noch 1461 Auszubildende, waren es 2014 nur noch 1.338 – 9 Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch sind das vergleichsweise noch üppige Zahlen. Andere Sparten sind weniger beliebt oder bieten kaum Ausbildungsplätze. Schifffahrtskaufmann/-frau lernten 348 junge Menschen, Binnenschifffahrtskapitän/in wollen 177 werden, und ganze 33 Ausbildungsverträge wurden bei den Luftverkehrskaufleuten abgeschlossen.

Den Nachwuchs auszubilden, ist eine Investition, die Unternehmen in hohem Maße tätigen. Anfang 2015 veröffentlichte das Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage. Danach sind die Aufwendungen im Vergleich zur letzten Erhebung 2007 um real etwa 600 Euro pro Auszubildendem und Jahr auf 5.398 Euro gestiegen. Die Bruttokosten belaufen sich auf 17.933 Euro (davon Personalkosten Auszubildende 62%, Personalkosten Ausbildungspersonal 23 %, Sachkosten 5 % und sonstige Kosten 10 %). Die Auszubildenden verursachen jedoch nicht nur Kosten. Ihre produktive Leistung ließ sich im Schnitt auf 12.535 Euro beziffern. Die Differenz zwischen Bruttokosten und Leistung ergibt dann die tatsächliche Aufwendung. Die Betriebe halten dies für gut investiertes Geld: Fachkräfte werden bedürfnisgenau ausgebildet, Personalgewinnungskosten können reduziert werden, ebenso die Abhängigkeit vom externen Arbeitsmarkt und somit mögliche Ausfallkosten durch Personalengpässe. Aus den gleichen Motiven werden innerhalb der Logistik breite Fortbildungsangebote angeboten. Die Bundesregierung hat dazu eine Qualifizierungsinitiative gestartet, die das logistische Fortbildungsangebot neugestaltet hat: „Das Fortbildungsangebot richtet sich an logistisch Beschäftigte in allen Branchen und qualifiziert für die eigenständige und verantwortliche Gestaltung logistischer Prozesse, für entsprechende Führungsaufgaben, für die logistische Beratung von Kunden sowie das Entwickeln, Planen und Umsetzen logistischer Lösungen“, schreibt das BBID. Ziel der Initiative ist die stärkere Durchlässigkeit zwischen der beruflichen Bildung und der Hochschulbildung. Auch duale Studiengänge bieten eine praxisorientierte akademische Ausbildung. Hier ist das Interesse ungebremst: In der Logistik haben sich die Studiengänge in den letzten zehn Jahren etwa verdoppelt.