Tetris revolutioniert die Logistik

Tetris in der Logistik? Warum nicht. Denn nach dem Prinzip des Spieleklassikers werden die Regale in den Logistikhallen spielend leicht ver- und entschachtelt und dabei passend bestückt und wieder geleert.

Kleine, bunte Steinchen fallen vom Display-Himmel. Immer mehr, immer schneller, und immer muss der Spieler sie so sinnvoll und passend drehen und ablegen, dass möglichst kein Zwischenraum zwischen den einzelnen Steinen bleibt. Ein Game-Klassiker des Programmierers Alexei Paschitnow, den so ziemlich jeder bereits einmal gespielt haben dürfte. Nun soll das Prinzip der lückenlosen Platzoptimierung auch die Logistik revolutionieren. Nachdem es im Verpackungs- und Behältermanagement bereits erfolgreich getestet wurde, übernehmen manche Logistik-Profis das Prinzip nun auch bei der Befüllung von Lagerplätzen und Fahrzeugen.

Über den Wolken

Tetris wird nicht nur auf dem kleinen Gameboy, sondern auch in wesentlich größeren Dimensionen gespielt – zum Beispiel in Flugzeugen, wie der Autohersteller Porsche mit seinen Transportflügen bei der Sportwagen-WM rund um den Globus beweist. Mit 35 Tonnen Material und zwei Porsche 919 nimmt das Team dabei wirklich nur das Nötigste mit an Bord. So wird beispielsweise bewusst auf eine eigene Fahrerlagerkantine verzichtet. Der Grund: Luftfracht ist kompliziert und eng.

All das, was zu den Rennen transportiert werden muss, wird bei der Lagerung im Flugzeug entsprechend sinnvoll geschachtelt – explizit unter Berücksichtigung der Schrägen im Frachtraum. Aus diesem Grund ist die zur Verfügung stehende Grundfläche in zwölf Einheiten untergliedert worden. Eine Einheit darf nicht mehr als 3.000 Kilogramm wiegen, bei Gewichtsüberschreitung würden Zusatzkosten anfallen. Entsprechend der errechneten Vorgaben wurde im Vorfeld bei jeder Anschaffung – ob Schrank, Werkzeug oder Kiste – die Tetris-Tauglichkeit jedes Objekts penibel genau kontrolliert. Das spart Platz, Sprit und ermöglicht eventuell den Transport zusätzlicher Ladung, die für ein erfolgreiches Rennen hilfreich wäre.

Stapeln im Hafen

In Containerterminals hat das Tetris-Prinzip ebenfalls bereits Einzug gehalten. Nachdem Christian Trump als Doktorand am Lehrstuhl WINFOR der Bergischen Universität Wuppertal das Verfahren in seiner Doktorarbeit „Optimierung der Lagerbewegungen in Containerterminals“ beleuchtet hat, folgte die Praxis in Form des Projektes 'ISYCon', das von der CURRENTA-Tochter CHEMION durchgeführt wurde.

Denn auch im Hafen gilt: Wer geschickt stapelt und schachtelt, vermeidet Lücken und verliert damit keinen Platz auf seiner begrenzten Stellfläche. „Ein Containerterminal ist wie ein großer Bausatz“, erklärt Christian Trump seinen Ansatz. Ab sofort steuert eine Software die Lagerbewegungen in Echtzeit. Sobald ein neues Schiff mit Containern im Leverkusener Hafen eintrifft, werden die Lagerplätze nach Größe, Priorität und Kunde vorbestimmt. „Manuelle Korrekturmöglichkeiten durch den Kranführer beziehungsweise die Containerleitstelle sind immer möglich“, ergänzt Trump.

Das Ergebnis beeindruckt Gudrun Poggendorf, Betriebsleiterin der Containerlogistik von CHEMION: „Wir profitieren mehrfach: Der Lebenszyklus von Anlagen und Verschleißteile verlängert sich. Zudem schaffen wir mehr Kapazitäten durch eine Effizienzerhöhung bei der Lagerbelegung und einen Zuwachs an Planungssicherheit.“ Insgesamt hat es seit der Einführung des Prinzips etwa ein Drittel weniger Leerhübe gegeben.

Und in der Logistik?

In den Lagerhallen der Logistik könnte sich das Tetris-Prinzip ebenfalls etablieren. Sobald Waren angenommen werden, steht schon zuvor fest, wo und wie lange diese stehen werden. Waren für dringende Aufträge erhalten einen vorderen Platz, der Rest wird so angeordnet, dass so wenig wie möglich Platz ungenutzt bleibt. Realisieren können diese Strategie moderne Robotersysteme, die problemlos in bestehende Logistikanlagen eingebaut werden können.

Damit werden die riesigen Datenmengen, die in der Logistik von Bedeutung sind, noch zielorientierte analysiert und verarbeitet – mit dem Vorteil, dass der Klassiker Tetris so von den Spielehallen in die Logistikhallen einzieht. Und das gleich zweimal: sowohl bei der Bestückung der der Regale ist Geschick und vorrausschauende Planung gefragt, sondern auch bei der Befüllung der Kartons und Behältnisse. Denn zu verschenken hat kein Logistiker etwas – schon gar nicht Platz ...