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Transportrobotik

Goldenes Zeitalter der Transportrobotik

Autonome Systeme sind die Zukunft, daran gibt es nichts zu deuten. In der Logistik beispielsweise können sich Transportroboter an wechselnde Positionen und Situationen anpassen und selbstständig reagieren.

Die Revolution kommt schleichend: Seit Jahrzehnten führen fahrerlose Transportsysteme in Industrie und Handel zuverlässig Aufgaben zwischen definierten Quellen- und Zielpositionen durch. Doch das Potenzial ist noch lange nicht ausgereizt. Mobile Transportroboter warten heute mit neuen Konzepten in den Bereichen Antrieb, Steuerung, Sensorik und Chassis auf und werden den hohen Anforderungen hinsichtlich Mobilität, Funktionsweise und Aufgabengebiete wesentlich besser gerecht.

Vor zehn Jahren vertraten Wissenschaftler noch die Meinung, dass vor dem Jahr 2025 nicht mit autonom-agierenden Transportsystemen auf dem Markt zu rechnen sei. Doch die Digitalisierung hat massiv an Fahrt aufgenommen – angetrieben von einer Industrie, die ihre Produktions- und Dienstleistungsprozesse immer weiter optimieren möchte und muss. Es ist das goldene Zeitalter der Transportrobotik – und noch immer stehen wir erst am Anfang.

Das Ziel ist der Weg


Wer keinen guten Orientierungssinn besitzt, der wird schwerlich ans Ziel kommen. Das gilt für den Menschen wie für einen Transportroboter. Und diesen Orientierungssinn besitzen selbstfahrenden Roboter, die heute beispielsweise in der Automobilindustrie eingesetzt werden, ganz ohne Zweifel. Die Roboter sind mit Funksendern ausgestattet und manövrieren anhand einer digitalen Karte zielstrebig, schnell und sicher durch die Hallen. Koffergroße Transportroboter fahren unter einen Rollcontainer, heben ihn geräuschlos in die Höhe, und setzen sich anschließend selbstständig zum Zielort in Bewegung. Taucht auf dieser Route ein Hindernis auf, erkennen Sensoren die kritische Situation und der Transportroboter stoppt umgehend seine Fahrt. Aber nicht nur in der Automobilbranche wächst der Einsatz komplexer Automatisierungslösungen, wie sie STILL schon seit Jahren mit iGo Systems realisiert.


Ab jetzt denken Flurförderzeuge mit, zumindest im Bereich der Kommissionerfahrzeuge mit dem neuen STILL iGo neo CX 20.

Anpfiff mit „Fifi“


Auch in der Forschung herrscht jede Menge Bewegung beim Thema autonome Robotiksysteme. „Wir wollen weg vom Eingeben von Befehlen und hin zu einem System, das je nach Situation versteht, was gerade gebraucht wird“, nennt Andreas Trenkle, Projektleiter am KIT-Institut für Fördertechnik und Logistiksysteme (IFL), die Vorteile, die ein Transportroboter für ihn haben muss. Gut drei Jahre hat sein Team daran getüftelt und dabei „Fifi“ entwickelt. Der elektrische Laufbursche kann Lasten von einem Kasten Bier bis zu 300 Kilogramm tragen und seinem Nutzer überall hin folgen – und das solange, bis dieser drei Mal mit der linken Hand winkt. Automobilhersteller und Gewerkschaften haben die Roboterplattform bereits getestet und sind vom Resultat überzeugt. Besonders gefragt ist die Verwendung von „Fifi“ in Logistikzentren und Montagehallen.

Die International Federation of Robotics (IFR) schätzt, dass 2018 die Zahl der Industrieroboter auf etwa 1,3 Millionen angestiegen sein wird. Dominik Bösl, Robotik-Experte an der TUM School of Education (TU München), weiß: „Die Robotik wird in den nächsten Jahrzehnten unser Leben, unsere Gesellschaft und Wirtschaft verändern wie zuvor zuletzt das Internet.“

Gretchenfrage: Entlasten oder Entlassen?


Transportroboter sollen den Mensch bei der Arbeit unterstützen, sodass er sich auf den wertschöpfenden Teil seiner Arbeit fokussieren kann. Angesichts einer alternden Gesellschaft halten es viele für notwendig, dass Roboter anstrengende und ermüdende Tätigkeiten übernehmen und damit die Arbeitnehmer entlasten. So tut es bereits der amerikanische Schmuckhersteller Stuller, der auf eine schnelle Produktion mit zwei mobilen Robotern setzt. „Wir wissen gar nicht, was wir ohne die Roboter machen würden“, gesteht Angel Savoie, Leiter der Wachsabteilung bei Stuller. „Wir konnten unsere Transportzeiten erheblich verkürzen, sodass wir uns jetzt auf andere Arbeitsbereiche konzentrieren können, die zuvor vernachlässigt wurden.“ Und genau in jenen werden die Mitarbeiter eingesetzt, die von den mobilen Transportrobotern abgelöst wurden.

Doch Transportroboter bergen auch Gefahren und können gravierende Folgen für den Arbeitsmarkt haben. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-DiBa AG in Frankfurt am Main, hat sich mit den Studien der Wirtschaftswissenschaftler Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne sowie möglichen Auswirkungen der Robotik auseinandergesetzt: „Insgesamt sind 18 Millionen Jobs in Deutschland potenziell von Automatisierung, von Computerisierung, von Digitalisierung gefährdet. Das wäre jeder zweite Beschäftigte – und diese Entwicklung hat längst begonnen.“

Auf der einen Seite können Roboter also eine wertvolle Unterstützung sein; kosten sie jedoch Arbeitsplätze, werden sie zum Problem – arbeitspolitisch wie auch moralisch. Es dürfte spannend werden, wie der Mensch als „Schöpfer“ der Roboter zugleich Herr der Maschinen bleiben wird, ohne sich selbst abzuschaffen.