Revolution der zwei Geschwindigkeiten

Elektroantriebe werden sich auch in der Transportwirtschaft durchsetzen. Allerdings nicht in allen Bereichen gleich schnell.

Elektromobilität hat eine gewaltige Medienpräsenz, dabei ist das Prinzip weder neu noch zahlenmäßig sonderlich relevant: Schon 1881 fuhren erste Elektrofahrzeuge auf den Straßen, doch 120 Jahre später ist ihr Anteil am deutschen Verkehr mit wenigen tausend Exemplaren noch immer verschwindend gering. Bis 2020 sollen es eine Million sein – mithilfe gemeinsamer Anstrengungen von Politik und Wirtschaft. Doch selbst dann läge ihr Anteil – gemessen am heutigen Kfz-Bestand – bei übersichtlichen zwei Prozent.

Wenn von Elektromobilität die Rede ist, geht es meistens um den individuellen Personenverkehr. Dabei bieten sich der neuen Technologie gerade im gewerblichen Bereich und im Transport von Gütern große Potenziale.

Der aktuelle Medienhype blendet weitgehend aus, dass Elektrofahrzeuge aus der Intralogistik schon seit vielen Jahren nicht mehr wegzudenken sind.

Manche Nutzungen in geschlossenen Räumen wären ohne elektrische und damit abgasfreie Flurföderzeuge überhaupt nicht möglich. Doch auch unter freiem Himmel sind immer mehr Elektrofahrzeuge im Einsatz, die immer größere Lasten bewegen, etwa innerhalb von Industrieparks oder auf Flughäfen.

Der Erfolg der neuen Technologie innerhalb geschlossener Areale hat einen klaren Grund: Hier ist die Stromversorgung kein Problem. Anders sieht es beim Güterverkehr auf öffentlichen Straßen aus. Hier wirkt sich das größte Manko der neuen Technologie entwicklungshemmend aus: die begrenzte Reichweite. Dennoch bieten mehrere Hersteller bereits stromgetriebene Lkw für den Einsatz auf öffentlichen Straßen an. Deren Reichweite liegt bei rund 120 Kilometern. Das reicht auch in größeren Städten für den innerstädtischen Lieferverkehr. Und man umfährt zugleich die Restriktionen, die sich durch die neuen Umweltzonen ergeben.

Bei leichteren Transportfahrzeugen, etwa für Brief- und Paketdienste, starten mehrere Unternehmen jetzt richtig durch. So entwickelt die Deutsche Post einen neues Zustellfahrzeug, das schon in wenigen Jahren in Serie gehen und einen bedeutenden Teil der Flotte ersetzen könnte.

Für die lange Strecke sind Hybrid-LKW auf dem Markt, die den Dieselverbrauch signifikant senken. Doch das reine Fahren mit Strom auf Landstraße oder Autobahn bleibt vorläufig Zukunftsmusik.

Der aktuelle Stand der Technik, die Lithium-Ionen-Batterie, liefert zu wenig Energie, benötigt zu viel Zeit zum Laden, ist zu teuer und zu schwer. Neue Technologien sind in der Entwicklung, aber auf absehbare Zeit nicht marktreif.

So lange Elektrofahrzeuge noch auf häufiges Laden angewiesen sind, werden sie keine Option für große Distanzen sein. Während sich Unternehmen im innerstädtischen Bereich oder innerhalb von Betrieben ihre eigene Lade-Infrastruktur aufbauen können, sind sie auf der Straße auf ein flächendeckendes Netz öffentlicher Ladestationen angewiesen, das es noch nicht gibt.

So wird die Einführung der Elektromobilität in der Transportwirtschaft eine Revolution mit zwei Geschwindigkeiten sein: Während sich Elektrofahrzeuge im Kurzstreckenbereich schnell verbreiten könnten, ist ihre Zeit im Fernverkehr noch nicht gekommen.

Elektromobilität bei STILL

STILL Elektrofahrzeug von 1952STILL Elektro-Lastwagen von 1952 - der EWL 1500

Dass STILL im Bereich der Elektromobilität nicht nur im innerbetrieblichen Werksverkehr Vorreiter ist, zeigt dieses Foto eines Elektro-Lastwagens von 1952, dem EWL 1500.

Bei einer Reichweite von immerhin 70 km war der Elektroantrieb schon damals eine kostengünstige und umweltfreundliche Alternative im innerstädtischen Lieferverkehr.