Binnenhäfen – Drehscheiben Europas

Ökologisch und ökonomisch gehört dem Mix der Verkehrsträger die Zukunft

Im Güterverkehr hat man die Qual der Wahl: Straße, Schiene oder Wasser empfehlen sich – jeder mit eigenen Vor- und Nachteilen. Der offensichtlichste: die Kosten. Während ein Tonnenkilometer bei der Bahn mit 7,40 bis 16,04 Cent (abhängig von Entfernung und Gesamtladung) zu Buche schlägt, kostet der Transport auf der Straße 8,80 bis 14,30 Cent, Tendenz steigend durch hohe Benzinpreise und Stop-und-Go-Verkehr auf überfüllten Autobahnen. Unschlagbar die Binnenschifffahrt: hier fallen 3,44 bis 5,15 Cent je Tonnenkilometer an.

In Sachen Flexibilität und Schnelligkeit können Wasserstraßen allerdings nicht punkten. Ideal, wenn man in trimodalen Logistikdrehkreuzen Güter umschlagen kann. Das bestätigt auch Rainer Schäfer, Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Binnenhäfen (BÖB), der im Mai 2012 auf dem dritten Internationalen Hafenkongress in Karlsruhe feststellte, dass „steigender Transportbedarf durch eine sich weiter spezialisierende und wachsende Weltwirtschaft sowie verschiedenste Umweltauflagen dazu führen werden, dass logistische Ketten stärker in einer Kombination von Verkehrsträgern durchgeführt werden müssen“.

Neben den großen Seehäfen Hamburg, Bremen/Bremerhaven und Rostock gibt es über 60 Binnenhäfen in Deutschland, angeführt vom Duisburger Hafen (Duisport), in dem 64 Millionen Tonnen Güter im Jahr 2011 umgeschlagen wurden. Auf dem zweiten Platz folgt mit großem Abstand der Kölner Hafen (2011: 12,4 Mio. t). Die Binnenhäfen sind europaweit operierende Logistikzentren und ein beliebter Unternehmensstandort: Duisport konnte 2011 fast 300.000 Quadratmeter Flächen vermarkten.

Im Krisenjahr 2009 brach der gesamtmodale Güterverkehr um mehr als zehn Prozent ein. In den Binnenhäfen sah es nicht anders aus. 2010 und 2011 wurden wieder Zuwachsraten im einstelligen Bereich gemeldet, inzwischen nähert man sich wieder den Vorkrisenwerten. Investitionen in die Infra- und Suprastrukturen der Binnenhäfen tragen dazu bei. Der gezielte Ausbau der Leistungsfähigkeit von Binnenhäfen gehört für den „Bundesverband Öffentlicher Binnenhäfen‘ zu einem wesentlichen Baustein einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Gerade in Hinblick auf die wachsende europäische Verkehrswirtschaft würden Binnenhäfen einen wachsenden Stellenwert erhalten. Voraussetzung sei die Vernetzung der Verkehrsträger, aber auch der Zusammenarbeit der Häfen mit der verladenden Wirtschaft und der Logistik.

Etwa 72 Prozent der Güterverkehrsleistung in Deutschland wird von LKW bestritten, 18 Prozent von der Bahn und lediglich zehn Prozent von der Binnenschifffahrt. Die Intensivierung der Binnenschifffahrt ist aus energiepolitischer und ökologischer Hinsicht sinnvoll, allerdings nicht leicht lösbar, denn Schifffahrt und Häfen sind nur so gut wie die Wasserstraßen. Sie befinden sich teilweise in einem desolaten Zustand, der die wirtschaftliche Nutzung gefährdet. Der ‚Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB)‘ stellt fest: „Über viele Jahre hat der Bund zu wenig in die Flüsse und Kanäle investiert.“ Er macht eine Investitionslücke von jährlich 500 Millionen Euro aus – zuzüglich den bewilligten Unterhaltungsmaßnahmen in Höhe von 850 Millionen im Jahr.