Autonomes Fahren

Wie nah ist die Zukunft?

Die Vorteile des autonomen Fahrens scheinen gerade in der Logistik auf der Hand zu liegen. Doch ist dabei wirklich alles Gold, was glänzt? Wir geben einen Überblick.

Ein autonom fahrender Containertransporter schafft Schiffscontainer vom Hafenkai zum Lager. Transponder dirigieren den Transporter auf seinem Weg und die Leitzentrale sendet dem autonomen Gefährt Informationen über den optimalen Start- und Zielpunkt.

Zukunftsmusik?

Keineswegs. Bereits heute arbeitet man am Hamburger Hafen mit automatisierten Fahrzeugen, und Logistikunternehmen experimentieren mit autonom fahrenden LKW. Ein Blick auf die Kosten scheint ein klares Bild zu ergeben. Vergleicht man den Energieverbrauch und die Verladezeiten von selbstfahrenden Transportern mit denen, die ein Mensch lenkt, ist die computergesteuerte Variante dreimal effizienter. In Zeiten von zunehmendem Kostendruck und Fahrermangel bei gleichzeitig steigenden Stückzahlen eigentlich ein sehr gutes Argument.

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Ende Betriebsgelände

Fahren also schon bald LKW-Flotten wie von Geisterhand gesteuert über Autobahnen hin zu Industriegebieten und rangieren dort automatisch bis an die Laderampe? Gleiten autonome Lieferwagen nachts durch nahezu leere Straßen und entlasten die städtische Infrastruktur in Stoßzeiten?

Ganz so einfach, wie es klingt, ist es nicht. Noch endet das Einsatzgebiet für smarte Logistik an der Ausfahrt des Betriebsgeländes. Denn dahinter warten die eigentlichen Herausforderungen: Verkehrsteilnehmer, die sich nicht streng an die Straßenverkehrsordnung halten, und andere komplexe, oft chaotische und nicht kalkulierbare Ereignisse. Trotz aller Lernfähigkeit sind die fahrenden Computerprogramme dem noch nicht gewachsen, was menschliche Fahrer fast immer erfolgreich bewältigen: den ganz normalen alltäglichen Straßenverkehr.

Wie real ist die Zukunftsvision des autonomen Fahrens in der Logistik wirklich?

Glaubt man der Internationalen Straßentransportunion (IRU), werden autonome Lastkraftwagen nicht so schnell zum Straßenbild gehören, wie Optimisten glauben. Denn bevor fahrerlose LKW in nennenswertem Umfang eingesetzt werden können, müssten in der Logistikbranche erst einmal die digitalen Grundlagen dafür geschaffen werden, so der IRU. Demnach würde es noch mindestens 10 bis 15 Jahre dauern, bis Infrastruktur und Technik für autonome LKW in ausreichendem Maß vorhanden seien. Die Gefahr, dass Kraftfahrer in naher Zukunft massenhaft arbeitslos werden, sehen repräsentativ befragte Logistikunternehmer mehrheitlich jedoch nicht. Sie versprechen sich vom Einsatz von Assistenzsystemen in erster Linie weniger Unfälle durch menschliches Versagen, ein verbessertes Flottenmanagement und eine Entlastung der Fahrer.

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PwC prophezeit enorme Effizienzsteigerungen

Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) geht von einem ähnlichen Zeithorizont aus. Was die Kostenersparnis durch den flächendeckenden Einsatz smarter Logistik und die Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze angeht, ist PwC allerdings weniger zurückhaltend. Ihnen zufolge würde eine Reduktion von Personal eine Halbierung der Logistikkosten bis 2030 ermöglichen. Die Effizienzsteigerungen werden aller Voraussicht nach beachtlich sein: Da Ruhepausen für Fahrer entfallen und Leerlaufzeiten durch den Gebrauch leaner Prozesse sinken, werden autonome Lkw rund 80 Prozent der Zeit unterwegs sein können. Aktuell liegt der Wert bei knapp 30 Prozent.

Kein Zweifel: Allein schon wegen seines großen Einsparungspotenzials wird das autonome Fahren die Logistikbranche nachhaltig beeinflussen. Ob daraus eine technische Revolution entsteht, die Arbeitsplätze in großer Zahl überflüssig machen wird, und wann autonome Fahrzeuge flächendeckend über die Straße rollen – diese Frage kann allein die Zukunft beantworten.