Künstliche Intelligenz in der Logistik

Hype oder Revolution?

Die Kombination aus Logistik und künstlicher Intelligenz ist im Zeitalter der Digitalisierung längst keine Science-Fiction mehr. Doch wo liegen die Hürden und wo die Potenziale der Technologie?

Dass Künstliche Intelligenz (KI) die menschliche auch bei komplexen Aufgabenstellungen ohne weiteres in den Schatten stellen kann, ist spätestens klar, seit die genialsten Schach-Großmeister gegen ihre programmierten Gegner keine Chance mehr haben.

Mit diesem Bild vor Augen sehen sich nicht wenige menschliche Arbeitskräfte im Konkurrenzkampf mit der KI bereits auf verlorenem Posten. In vielen Branchen wie der Automobilindustrie werden viele Prozesse bereits von Robotern übernommen, im Maschinenbau zählt Robotik längst zum guten Ton, und wenn selbst Taxifahrer aufgrund autonom fahrender Automobile um ihren Job fürchten, ist hier etwas im Busche. Arbeitsmarktexperten geben an der Stelle allerdings Entwarnung: laut ihren Berechnungen sollen in der Logistik mittelfristig weniger als 10% der Stellen vollständig durch KI ersetzt werden. Das Bild einer Branche, der ein Großteil ihrer von Menschen ausgeübten Jobs abhandenkommen wird, scheint demnach überzeichnet zu sein. Doch eine Tatsache ist der Treiber jeder technologischen Weiterentwicklung: der ausgeprägte Wettbewerb mit knappen Margen, zunehmendem Kosten- und Zeitdruck, sowie der sich abzeichnende Fachkräftemangel. Deswegen könnte der erfolgreiche Einsatz von KI tatsächlich den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen.

Dass zwei von drei deutschen Unternehmen innerhalb der nächsten Jahre in KI investieren wollen, belegt den Glauben an diese Gleichung. Doch wie realistisch ist die Vision immenser Effizienzsteigerung und Kostenreduzierung? Ist die Revolution mehr Hype als harter Fakt?

Kollege KI

Keineswegs. Die Revolution wird nur weniger augenscheinlich ausfallen. Denn die aktuell größte Stärke der KI für die Logistik liegt in erster Linie nicht in mechanischen, anspruchsvollen Arbeitsvorgängen wie der Steuerung eines Fahrzeugs in einer Lagerhalle oder auf dem Transportweg der Zukunft. Es ist vielmehr ihre enorme Rechenleistung, mit der sie schon heute Buchhalter und Disponenten mühelos überflügelt, ohne sie komplett zu ersetzen. Stattdessen wird der neue Kollege namens KI ihnen monotone Routineaufgaben abnehmen und damit wertvolle menschliche Ressourcen für anspruchsvollere Aufgaben freimachen – etwa in der Analyse, dem Riskmanagement und dem Kundendienst. Die Folge: ein erheblicher Produktivitätsschub. Aber damit sind die Möglichkeiten der KI in der Logistik noch nicht ausgeschöpft.

Big Data
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Wenn man sie mit der nötigen Menge an Datensätzen füttert, könnte sie Waren bereits auf den Weg zum potenziellen Besteller schicken, bevor dieser sich überhaupt für den Kauf entschieden hat. Auch könnten Daten aus sozialen Medien, Youtube oder Instagram genutzt werden, um mit deren Hilfe die globale Nachfrage nach bestimmten Produkten vorherzusagen und damit Logistikunternehmen eine annähernde Auslastung von Personal und Fahrzeugen planen. In einer gemeinsamen Studie geben DHL und IBM eine Perspektive, wie es mit der KI in der Logistik weitergehen könnte. Die beiden Unternehmen kommen zu der Vermutung, dass die Logistikbranche ihr Betriebsmodell ändern wird, sich vom reaktiven Handeln verabschiedet und stattdessen proaktiv agieren wird – sei es im Back Office, in operativen Bereichen und im Kontakt mit Kunden. Beispielsweise sind mit KI bald Verfahren zur Bilderkennung möglich, mit deren Hilfe man den Zustand von Sendungen und Anlagen verfolgen, einen autonomen Transport ermöglichen oder Schwankungen bei globalen Sendungsmengen im Voraus prognostizieren kann.

Die Künstliche Intelligenz wird den Menschen also keineswegs die Arbeit stehlen. Sie wird allerdings definitiv seine Arbeit und Aufgaben verändern. Der Mensch bleibt also Teil der technologischen Revolution, bei der jene gewinnen, die mit ihr arbeiten, statt sich vor ihr zu fürchten.