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Die Maschine als Kollege

Warum sind automatisierte Lager künftig in der Logistikbranche unverzichtbar? Wie lassen sich bereits bestehende Lager automatisieren? Und wie passt der Mensch in diese Entwicklung? Das diskutierten drei Experten beim STILL Logistik-Talk ,,Thesen am Tresen" auf dem Logistics Summit 2022.  

STILL Logistik-Talk „Thesen am Tresen"
STILL Logistik-Talk „Thesen am Tresen"

„Automatisierung in der Logistik ist alternativlos, denn der Faktor Mensch ist eine wertvolle, aber auch knappe Ressource“, sagt Frank Müller, Senior Vice President, Brand Management, STILL EMEA. Seiner Ansicht nach machen die steigenden Anforderungen an die Logistikbranche aufgrund eines stetig wachsenden, globalen Marktes den Einsatz von automatisierten Anwendungen unerlässlich. Die gute Nachricht sei aber: Auch die dafür notwendige Technologie schreitet voran. „Es gibt inzwischen viel mehr Optionen und Lösungen als noch vor fünf Jahren“, sagt er. Es sei nun möglich, auch kleinere Anwendungen und Prozessschritte im Lager zu automatisieren. Das mache Automatisierung einfacher und wirtschaftlich günstiger.


Automatisierung bereits bestehender Lager

Die Vorteile der Automatisierung lassen sich mittlerweile auch für Brownfield-Lager, also bereits bestehende Lager, nutzen. Die Experten von STILL schauen bei der Umstellung zunächst auf einzelne Abläufe: „Was hat der Kunde für Anforderungen und welche Lösungen gibt es bereits“, sagt Müller. Nach dieser Analyse sei der erste Schritt, einzelne Abläufe zu automatisieren. „Das kann im Einzelfall auch sehr schnell gehen.“ Wesentlich länger dauere es dann, die einzelnen, bereits automatisierten Prozesse ineinanderzuführen, sodass sie gemeinsam funktionieren.

Die Zusammenführung der Prozesse ist jedoch eine durchaus komplexe Aufgabe, wie Florian Menold, Geschäftsführer Frankreich, Pfennig Logistic Group erläutert: „Man muss immer in der Prozesskette denken, die angrenzenden Schritte im Blick behalten und darüber hinaus auch den Menschen.“ Denn der müsse die neue Technik akzeptieren und mit ihr arbeiten wollen. „Die Mitarbeitenden müssen offen für Veränderungen sein und auch die eigenen Fehler analysieren. Dafür braucht es einen bestimmten Typ Mensch“, erläutert er. Das gelte für viele

Die Summit-Redner am Tresen
Die Summit-Redner am Tresen

Automatisierungsprojekte, auch für Greenfield-Lager, also solche, die neu und im Hinblick auf die Arbeitsprozesse geplant werden. „Bei jedem Projekt ist es wichtig, über den Tellerrand zu schauen“, sagt Menold. Man müsse auch im Blick haben, was sich in den kommenden ein bis zwei Jahren noch weiterentwickeln könne. „Damit sich eine Automatisierung im großen Stil rechnet, muss ein Logistikvertrag mindestens fünf Jahre laufen“, sagt der Geschäftsführer. „In dieser Zeit kann sich viel ändern.“ Man müsse sich also fragen: Wo ist es sinnvoll zu automatisieren?


Paketbranche als Vorreiter

Eine Branche, in der automatisiere Prozesse schon heute zum Standard gehören, ist die der Paketzusteller. „In Deutschland werden täglich bis zu 15 Millionen Pakete versandt, das geht nur mit Automatisierung“, sagt Marten Bosselmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik.  „Wir sind so etwas wie die Avantgarde der Logistik, bei diesem Beförderungsvolumen bleibt uns gar nichts anderes übrig.“ Schon heute fehle es in der Branche überall an Personal. Deshalb sei es besonders wichtig, die Arbeitsplätze möglichst attraktiv zu gestalten. „Das geht nur durch die Symbiose aus Mensch und Maschine“, sagt er. Ein Beispiel dafür seien Exoskelette, also tragbare robotische Stützanzüge, die zur Unterstützung bei körperlich schweren Arbeiten eingesetzt werden. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeitenden bis ins Rentenalter fit sind“, betont Bosselmann.

Die Paketbranche ist Vorreiter
Die Paketbranche ist Vorreiter

Darüber hinaus müsse der Mitarbeitende in Zukunft in erster Linie „Zusteller“ sein und nicht „Paketfahrer“. Das Fahrzeug bewege sich künftig autonom und nur den Weg vom Auto zum Endkunden müsse der Zusteller zurücklegen. „Dadurch senken wir die psychische und physische Belastung für die Zusteller“, sagt Bosselmann. Es gibt allerdings auch schon Prozessschritte, bei denen die Maschine den Menschen nicht mehr braucht: Eine Maschine sortiert Pakete präzise und das im Sekundentakt.

„Das schafft ein Mensch nicht“, erläutert der Experte, „aber auch eine solche Maschine brauche den Menschen, der sie überwacht: Ohne die menschliche Intelligenz ist keine Automatisierung möglich.“


Balance zwischen Mensch und Maschine finden

Auch Frank Müller, Senior Vice President STILL Brand Management, ist sich sicher, dass es weiterhin Prozesse gibt, die nicht vollständig automatisiert werden können. Besonders in Lagern mit einer hohen Heterogenität an Artikeln – in verschiedener Größe und Form.  „Da braucht es die menschliche Hand für die Kommissionierung, das schafft ein Roboter noch nicht“, so Müller. Es gehe beim Automatisieren in der Logistik auch selten darum, entweder die Maschine oder den Menschen zu beschäftigen, sondern vielmehr um ein gemeinsames Arbeiten. „Für unsere Wirtschaft und um die Zukunft unseres Wohlstandes zu sichern, geht es nicht anders.“ Auch die Kosten seien dabei ein Faktor. „Automatisierung ist teuer, aber Personal auch. Da muss man die richtige Balance finden“, stellt Müller klar.

Für Pfennig Geschäftsführer Menold spielt bei jedem Automatisierungsprojekt der „Return of Investment“ (ROI) eine Rolle. Die Herausforderung dabei: In der Logistikbranche werden die Vertragslaufzeiten und damit die Zeitspanne, in der sich eine Investition rechnen muss, zunehmend kürzer: „Oft laufen unsere Verträge nur zwölf Monate. Innerhalb dieser Zeit bekomme ich keine Automatisierung refinanziert.“ Häufig ändern sich mit einem neuen Vertrag oder einem neuen Kunden die Anforderungen.

Logistics Summit
Logistics Summit

„Deshalb ist Flexibilität ganz wichtig: Wir müssen die Automatisierungslösungen nicht nur für einen Kunden nutzen können, sondern für verschiedene Aktivitäten bei uns im Lager.“ Bevor man einen Prozess automatisiere, müsse man durchrechnen, wo eine Investition sinnvoll ist und wo nicht, stimmt auch Müller zu.


Evolution schreitet voran

Doch auch die neuen technologischen Lösungen werden die Logistikbranche nicht komplett auf den Kopf stellen, sind sich die Fachleute beim Logistics Summit einig. „Sicher ist: Am grundlegenden Prozess in der Logistik wird sich nichts ändern. Die Ware muss immer noch zum Kunden“, verdeutlicht Müller. Innerhalb der Logistikkette werden sich jedoch einzelne Prozessschritte verändern und weiterentwickeln. „Das passiert auch schon, das ist eine evolutionäre Veränderung“, so Müller, „nur das Tempo wird weiter zunehmen“.

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